Hantigk ohne O

journalliterarische Miniaturen zu aktuellen Geschehnissen, allgemeinen Beobachtungen und allerlei Anderem

Wankende Gedanken?

Posted by hantigkohneo - 14. Juli 2009

Zum Kommentar „Der Westen wankt“ von Dirk Kurbjuweit (Spiegel 19/2009)

Tja, peinlich, aber das passiert eben, wenn man seinen Kommentar – vielleicht, weil man in der fraglichen Woche seinen verdienten Urlaub nehmen möchte – schreibt, bevor die zu kommentierende Veranstaltung überhaupt stattgefunden hat. Manchmal, meistens vielleicht sogar, geht das gut, weil die Dinge ja so vorausberechenbar sind. Diesmal ist es nicht gut gegangen. Und so steht dann im Spiegel gedruckt „die G8 sind tot…. sie schrumpfen zur Plauderrunde“, während der Rest der Welt Respekt zollt und „am Ende der Club der Acht, der lange als Überrest einer längst vergangenen Weltordnung erschien, plötzlich als Runde der Mächtigen mit hoher Entscheidungskraft“ (Spiegel-Online vom 10.7.2009) dasteht.

Aber Schwamm drüber, so was kann vorkommen. Und auch ein Dirk Kurbjuweit braucht mal Urlaub. Dringend sogar, wie es scheint. Denn der Kommentar, der auf den eingangs erwähnten, Missprophezeiten Aufmacher folgt, ist mit dem Attribut „peinlich“ noch wohlwollend umrissen.

Die „Wertegemeinschaft“ der G8 – u.a. mit der vorzeige Reality-TV-Demokratie Italien und der Lupendemokratie Russland im Schlepptau – als versinkende Tafelrunde der wahren Bewahrer des Guten? Edle Wesen allesamt, denen es seit jeher nur um „Freiheit, Demokratie und Menschenrechte“ ging? So heiß war doch der Sommer noch gar nicht!

Und diese Musterdemokratien haben „traditionell“ „die Mission“ – von wem haben sie die eigentlich, sei am Rande gefragt. Also von mir, Demokratischerweise, jedenfalls nicht –  „Demokratie zu verbreiten und damit Freiheit und Menschenrechte“? Vermutlich in etwas so, wie im Irak? In Afghanistan? Oder – etwas davor, damals als alles noch ordentlich und gut war – in Vietnam oder in Korea?

Es bleibt zu hoffen, dass Herr Kurbjuweit seinen Urlaub irgendwo außerhalb dieses Olymp der Werthaftigkeit verbringt, um anschließend mit einem womöglich etwas erweiterten Horizont noch einmal einen kritischen Blick über seine sommerlich überhitzten Zeilen werfen zu können.

Und bis dahin bleibt ihm zu wünschen, dass dort, wo er seine Ferienmission erfüllt, der Spiegel keine allzu große Verbreitung bei den Eingeborenen hat. Nicht dass er am Ende noch einem selbstbewussten Inder oder Chinesen erklären müsste, warum er es für angebracht hält, dass die Repräsentanten von gerade mal 16,3% der Erdbevölkerung sowohl über das Schicksal als auch über die Wertvorstellungen der übrigen 83,7% bestimmen sollen.

Oder gar einem hungrigen Teenager in Ghana oder einer Flutwaisen in Bangladesh, warum „Freiheit, Demokratie und Menschenrechte“ wichtiger seine, als „Klima, Wasser und Ernährung“.

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Der Mensch erfand das Feuer (reloaded)

Posted by hantigkohneo - 28. Juni 2009

Aus immer aktuellem Anlass und da das Thema auf jeden Fall in die Serie “Neue Ideen” gehört, bringe ich an dieser Stelle noch einmal den Artikel zur Energiepolitik vom Februar dieses Jahres.

windradschattenNeben so manchem Anderen, brauchen wir – und damit meine ich mal schlichterweise einfach die gesamte Menschheit – dringend eine neue Umweltpolitik, eine neue Klimapolitik, eine neue Energiepolitik!

Diese Sätze sind schon so oft ver- und gewendet, ge- und verbraucht worden, so oft durchgekaut, dass sie im wahrsten Sinne schon reichlich geschmacklos geworden sind. Ich verwende sie trotzdem!

Aber nur, um sie sofort zu widerrufen und zu sagen: bevor wir überhaupt über eine Umwelt-Klima-Energiepolitik reden, bevor wir immer und immer wieder, je nach Stimmungs- und Argumentationslage, erneut die neueste neue Energiepolitik ausrufen, sollten wir einen Schritt zurück treten und eine ehrliche Bestandsaufnahme machen. Gehen wir ganz zum Anfang: Der Mensch erfand das Feuer.

Und damit wurde er zum einzigen Lebewesen, dass Energie außerhalb des eigenen Körpers nutzt und verbraucht. Unglücklicherweise fand er Gefallen daran, gewöhnte sich an den gewärmten Pelz und wurde schließlich abhängig davon.
Egal wie weit sich die mittlerweile hochtechnisierte Menschheit im 21 Jahrhundert einzuschränken breit sein mag, ohne Energieverbrauch ist sie nicht mehr überlebensfähig. Punkt Eins.

Punkt Zwei: es gibt keine derzeit bekannte und realisierbare Art der Energiegewinnung, die nicht Auswirkungen auf unsere Umwelt hätte und die damit letztlich auch wiederum unser eigenes Leben gefährdet. Keine einzige!

Und Punkt drei: alle bisherigen Diskussionen darüber, welche Art der Energiegewinnung denn nun am schnellsten in den Weltuntergang führe und daher am dringlichsten auszumerzen sein, wurden entweder von Lobbygruppen mit Input versorgt oder sie wurden höchst emotional aus dem Bauch heraus geführt. Eine sachliche und wissenschaftliche Untersuchung dazu hat es meines Wissens noch niemals gegeben.

Apropos Wissenschaft, und damit noch mal zurück zu Punk zwei, denn ich sehe noch den Glanz des Widerspruchs in Ihren lesenden Augen. „Was ist denn mit den alternativen und regenerativen Energieformen?“ wollen Sie fragen, stimmt’s?

Genau an diesem Punkt setzt eine meiner größten Verwunderungen ein, über die menschliche – ja, was eigentlich – Einfältigkeit? Fähigkeit zur Selbsttäuschung? Manipulierbarkeit?

Erinnern Sie sich an die Sache mit dem „Biosprit“? Gefeiert, wie das berühmte Ei des Kolumbus. Verpflichtende Biosprit-Anteile für demokratische Verhältnisse geradezu blitzschnell in Gesetze gegossen, sogar gleich EU weit.

Ich will nicht neunmalklug klingen, aber ganz ernsthaft, habe ich mich von Anfang an gefragt, wo eigentlich der Clou beim Biosprit sein soll. Kohlenstoffhaltiges Material wird verbrannt, CO2 kommt in die Atmosphäre. Was sollte – mit Blick auf die Klimaerwärmung – daran besser sein, als beim Verbrennen von fossilem Material? Ich dachte eine Zeit lang, dass ich bei dem Begriff Biodiesel vielleicht etwas nicht verstanden hätte, dass der Denkfehler bei mir läge.

Irgendwann hörte ich dann zufällig einen Radiobeitrag zu dem Thema und da wurde es mir erläutert. Dass nämlich Biodiesel deswegen CO2-neutral sei, weil die dabei verbrannte Pflanze zuvor, beim Wachsen mittels Photosynthese dieselbe Menge CO2 aus der Atmosphäre entnommen habe.

Kaum gehört, war mir – wieder möge man mir die vermeintliche Besserwisserei verzeihen- klar, dass es sich hier um einen gewaltigen Irrtum handelte. Nicht klar hingegen war mir, wie es sein konnte, dass Armaden von sicherlich intelligenten Menschen, Wissenschaftlern, Politikern etc nochmals rund 18 Monate brauchten, um diesen Gedankenfehler auch zu verstehen. Dass nämlich diese CO2 Neutralität nur dann wirklich zutrifft, wenn die zu Biosprit verarbeiteten Pflanzen irgendwo wachsen, wo zuvor keine Pflanze gewachsen ist. Also zum Beispiel in Wüsten, auf Hausdächern oder Autobahnen usw.

Sobald aber irgendeine Pflanze nicht mehr wächst, weil nun dort ein Biodieselgewächs angebaut wird – und dabei ist es ganz egal, ob wir auf Lebensmittel, Futtermittel, Zierpflanzen oder Gänseblümchen zu Gunsten von sprit-Soja oder Diesel-Hanf verzichten – in diesem Moment ist es jedenfalls vorbei mit der vermeintlichen CO2 Neutralität. Weil dann eben genau doch zusätzlicher Kohlenstoff verbrannt wird, der ansonsten entweder in der Nahrungskette oder innerhalb der Pflanze, zum Beispiel eines hundert Jahre lang wachsenden Baumes oder im Verrottungs- und Humusbildungsprozess langfristig gebunden wäre.

Dass die Menschheit noch viel dummdreister ist und sogar anfangen würde für das kurze Glück von ein paar Tropfen Biopetroleum den größten C02 Speicher den wir auf der Erdoberfläche besitzen, nämlich den tropischen Regenwald, noch forcierter abzuholzen, so weit ging allerdings selbst meine Vorstellungskraft nicht, als ich den erkenntnisreichen Radioreport gehört hatte.

Es blieb die Frage, warum besagte Herscharen von Wissenschaftlern, Entwicklern und Politikern nicht in der Lage sind, ein einziges Mal einen Schritt weiter zu blicken, als bis zum unmittelbar nächsten.

Und es geschieht wieder. Denn in ihren immer noch widersprechenden und Grünen-geschulten Leseraugen sehe ich ja noch triumphierend die Begriffe „Windkraft“, „Gezeitenkraftwerke“ oder „Wassserstoffantrieb“ lodern.

Es tut mir ja leid. Aber es ist überall das Gleiche. Nehmen wir die Windkraft. Ich liebe Windparks. Sie sind für mich immer wieder ein erhabener Anblick, der mich mit Stolz und Sehnsucht erfüllt, wie vergleichbar dereinst einen Seefahrer der Blick auf einen Viermaster hart am Wind. Aber trotzdem, auch hier weiß ich wieder nicht, warum noch niemand wirklich deutlich auf die Schattenseiten hingewiesen hat.

Im November 2008 habe ich erstmals eine winzige Notiz in einer Spiegel-Ausgabe gesehen, die angemerkt hat, dass Wissenschaftler errechnet hätten, dass große Windparks zu Turbulenzen und Störungen innerhalb der Luftströmungen führen könnten, deren Folgen noch nicht abzusehen seien.

Ach was? Jetzt mal im Ernst: wenn wir zum Beispiel vor der Küste Norddeutschlands geradezu babylonische Türme ins Wasser pflanzen, mit gigantischen Rotorblättern, und derer hunderte, glaubt wirklich irgendjemand, das bliebe ohne Folgen?

Was wollen wir denn mit diesen Dingern anfangen? Richtig: Energie gewinnen! An dieser Stelle sei angemerkt, dass der Begriff „Energiegewinnung“ an sich schon eine Irreführung ist. Es gibt da nämlich – einigen Gelehrten wird das geläufig sein – so etwas, wie ein Naturgesetz. Man nennt es trefflicherweise Energieerhaltungssatz. Soll heißen, Energie geht weder verloren noch wird sie gewonnen, sie wandelt nur ihre Form. Wenn wir nun also mittels dieser phantastischen Windmühlen Energie in unsere Stromnetze bekommen, dann folgt daraus unweigerlich, dass diese Energie irgendwo entzogen wurde. In diesem Falle der Luft.

Ich bin kein Wissenschaftler, aber das braucht man, glaube ich, auch nicht zu sein, um sich vorstellen zu können, dass, wenn man den Luftströmungen, die ja ein sehr komplexes und noch bei weitem nicht grundlegend erforschtes System bilden, auf großer Front Terrawattweise Energie entzieht, dies irgendwelche Folgen haben muss.

Die Luftmassen werden langsamer. Sie werden weniger weit kommen. Im angesprochenen Fall der Offshore Parks an der Nordseeküste hieße das zum Beispiel, dass die Luft Feuchtigkeit weniger weit ins Landesinnere tragen kann. Trockenheit und Dürren könnten die Folge sein. Vielleicht in Niederbayern, vielleicht auch erst in der Ukraine. Wäre es nicht angebracht, sich darüber ein paar Gedanken zu machen, bevor man anfängt einen Windschutzwall zu bauen, der in seiner Wirkung einem kleinen Alpenzug entspricht – nicht umsonst gelten Alpen hinlänglich als Wetterscheide.

In Wahrheit ist es so, dass man sich kaum einen unmittelbareren Eingriff in das komplizierte Klimasystem des Planeten vorstellen kann, als Windkraftwerke.

Oh doch, ein ähnlich dramatischer und direkter Eingriff fällt mir gleich ein: Gezeitenkraftwerke.

Sie kennen vielleicht die schönen wissenschaftlichen „was wäre wenn“ Spielchen: zum Beispiel, die Erde ohne Mond. Diese Untersuchungen sorgen doch immer wieder für wohliges Sci-Fi Schaudern bei intellektuell geprägtem Smalltalk.

Kurz zusammengefasst, eine Erde ohne Mond wäre ziemlich sicher unbewohnbar. Unter anderem, weil dann die Gezeiten fehlen würden, die wiederum mit der ganzen Wucht der Meeresmassen bremsenderweise dafür sorgen, dass sich unsere Erdkugel vergleichsweise langsam um ihre Achse dreht, was wiederum zur Folge hat, dass uns nicht permanent die Atmosphäre mit Geschwindigkeiten von mehreren Hundert oder gar Tausend Km/h um die Ohren saust. Ein Umstand, der sich für die Entwicklung von Leben auf diesem Planenten als äußerst hilfreich erwiesen hat.

Und jetzt gehen wir her und fangen an, die Gezeiten auszubremsen. Gute Idee?

Was war da noch? Ach ja, der Wasserstoffantrieb. Ganz tolle Sache. Als Rückstand nur Wasser und Sauerstoff. Keine Klimagase. Perfekt.

Schade nur, dass es auf der Erde keinen ungebundenen Wasserstoff gibt!
Er muss mittels Elektrolyse aus Wasser gewonnen werden. Ein äußerst energieintensives Verfahren. Autos mit Wasserstoff anzutreiben hieße folglich lediglich, den schädlichen Energieverbrauch von der Straße weg in Kraftwerke zu verlegen.

Oh, ich sehe, sie setzen immer noch zu Widerspruch an. Und diesmal mit ultramodernem Hi-Tech-Wissen, ja? Algenarten, die in der Lage sind, in einer Art alternativer Photosynthese Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zu trennen. Das wollten sie mir jetzt entgegenschmettern, hab ich recht?

Gut, gut. Sagen wir, das funktioniert. Woher kommt das Wasser? Aus den Ozeanen, ist ja genug da, sagen wir mal. Und dann? Dann verfrachten wir Wasserstoff – alle technischen Probleme, wie den Umstand, dass dieser auf unter Minus 200 Grad abgekühlt sein muss, um flüssig zu sein, lassen wir mal als lösbar dahin gestellt – wir schaffen also Abermillionen Tonnen von Wasserstoff in die industrialisierten, Auto fahrenden Gegenden dieser Welt, zum Beispiel nach Europa. Und dort machen 200 Millionen Kraftfahrzeuge, aus Sauerstoff, der ja netterweise gratis in der Luft rumhängt, und aus diesem biologisch erzeugten Wasserstoff nichts weiter als harmloses Wasser.

Abermillionen Tonnen von Wasser. Abermillionen Tonnen von Wasser, das eigentlich in den Ozeanen sein sollte…..

Ich muss das jetzt nicht weiter ausführen, oder? Dazu sollte die Phantasie reichen.

Wie? Sie geben immer noch nicht auf? Was denn noch? Oh! Wie konnte ich das übersehen: Sonnenenergie. Natürlich, grenzenlos, verfügbar – jüngsten Berechnungen nach jedenfalls noch mindestens 5 Milliarden Jahre lang, damit kommen wir für’s erste durch.

Nanu, ich sehe, Ihr Siegerlächeln gefriert? Gratuliere! Willkommen im Klub derer, die zwei Schritte weit denken können.

Völlig richtig: Die Sonnenenergie, die auf der Erdoberfläche ankommt tut zweierlei Dinge: sie wärmt die Erdoberfläche und sie wird reflektiert und erwärmt dabei die Atmosphäre.
Und nun stellen wir gigantische Photovoltaikflächen auf. Am besten auf jedes Hausdach welche. Und damit holen wir uns die Sonnenenergie. Was bedeutet, dass sie nicht mehr, oder nur verringert, die Erdoberfläche erwärmt und nicht mehr oder weniger reflektiert wird.

Was das bedeutet? Das weiß ich nicht. Das weiß vermutlich niemand, weil sich noch niemand darum gekümmert hat.

Und genau darum geht es!

Bevor wir uns die Köpfe wahlweise darüber zerbrechen oder einschlagen, ob nun Atomkraft oder Windenergie, Kohle, Gas oder Sonne Heil oder Hölle sind, sollten wir einfach mal die klügsten Köpfe zusammen trommeln und eine ehrliche, vergleichende und nachhaltige Analyse machen lassen.

Da könnte dann zum Beispiel – stark vereinfacht – drin stehen:

Atomkraft: Risiken: eines von 10.000 Kraftwerken fliegt in die Luft, dabei sterben durchschnittlich 150.000 Menschen und es wird im Schnitt ein Areal von der Größe Hessens auf 10.000 Jahre hin unbewohnbar. Die hochstrahlenden radioaktiven Abfälle können – egal wie – höchstens zu 93,7623% sicher verwahrt werden, was bedeutet, dass statistisch pro Gigawatt jeweils 1,23 Strahlentote durch Spätfolgen wie Krebs etc hinzukommen. Vorteile: keinerlei klimaschädliche Abgase.

Kohlekraftwerk: Risiken: statistisch steigt pro Gigawatt die Durchschnittstemperatur der Atmosphäre um 1 Mikrograd in 10 Jahren und somit u.a. der Meeresspiegel um 1 Mikrometer pro Gigawatt. Statistisch umgelegt heißt dass, dass – Wirbelstürme und Springfluten eingerechnet – pro Gigawatt 0,98 Menschen sterben. Spätfolgen wie z.B. Krebs erregt durch Feinstaub etc. eingerechnet liegt die Sterblichkeit bei ca 1,14 Menschen pro Gigawatt. Vorteile: die Sterblichkeit ist weltweit und über lange Zeiträume verteilt, was sie weniger dramatisch erscheinen lässt. Weiterer Vorteil, vergleichsweise billig.

Windkraft: Risiken: statistisch verdorren pro Gigawatt Stromerzeugung in mittleren Kontinentallagen 1,476 Hektar Ackerfläche. Ertragssteigerungen durch Zunahme von Intensivanbau eingerechnet wird dies die Hungersterblichkeit weltweit um 0,69 Menschen pro Gigawatt steigern. Durch zunehmende Wasserknappheit in inneren Kontinentallagen werden kriegerische Handlungen zunehmen. Zu erwarten ist eine Sterblichkeit von ca 0,21 Personen je Gigawatt Windstrom. Vorteile: vorerst keine Ressourcenbegrenzung, sofern Änderungen der Luftströmungen durch die Beeinflussungen von vornherein eingeplant werden, so dass die Windanlagen darauf flexibel reagieren können.

Und so weiter…

Wie zuvor hoffentlich nachvollziehbar dargelegt, wird es in dieser Analyse keine Energiegewinnungsart ohne den ernstzunehmenden Punkt „Risiko“ geben. Aber das wäre dann wenigstens einmal ein solides Dokument anhand dessen man sich zusammen setzen könnte und ausbaldovern, mit welchem Mix aus den vorhandenen Möglichkeiten, sich der unverzichtbare Bedarf an Energie mit dem geringsten Risiko decken lässt und sich die ebenfalls unvermeidbaren Schäden dabei möglichst in Grenzen halten.

Und man könnte auf diese Schäden von vornherein eingehen und ihnen prophylaktisch entgegen wirken, anstatt mit erstaunten und entsetzten Augen, immer erst dann, wenn sie mit meist katastrophaler Wucht eingetreten sind.

Ein solches Vorgehen, erst eine kritische, gründliche und ehrliche Analyse, dann darauf basierende Entscheidungen, unbeeinflusst von allen Lobbygruppen, das würde dann wahrhaft das Prädikat „neue Umwelt-, Energie- und Klimapolitik“ verdienen.

Ihre Meinung?

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Neue Ideen

Posted by hantigkohneo - 22. Juni 2009

Mein Interesse an Politik geht auf den 1. Oktober 1982 zurück. Ich kann das so genau festmachen, da dies der Tag war, an dem Helmut Kohl, durch ein konstruktives Misstrauensvotum des Bundestages, Helmut Schmidt als Bundeskanzler ablöste. Ich war damals knapp 14 Jahre alt und mit meinem Vater im Auto unterwegs, als ich die Meldung im Radio hörte. Ich kannte Helmut Schmidt aus dem Fernsehen, er war mir nicht unsympathisch, er war eben der Bundeskanzler, der einzige, den ich bis dahin bewusst erlebt hatte. Helmut Kohl hingegen war mir von dieser ersten Minute an unsympathisch, was sich in den darauf folgenden 16 Jahren nicht ändern sollte, denn das, was ich da im Radio mitverfolgte, empfand ich in meiner jugendlichen Unschuld als zutiefst ungerecht und undemokratisch.

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Links & Rechts - antiquierte Konzepte

Daran hat sich bis heute nichts geändert – an meinem Empfinden, meine ich.
Der Wechsel einer Partei von einem Koalitionspartner zum anderen während einer Wahlperiode ist nach meiner Überzeugung verfassungskonformer Wählerbetrug. Abgesehen davon, dass ich Koalitionen an sich – insbesondere solche, die nicht bereits vor einer Wahl angekündigt werden – für prinzipiell unfair und irreführend gegenüber den Wählern halte und darin einen der Gründe sehe, für schwindendes politisches Interesse und abnehmende Wahlbeteiligungen. Wozu wählen, wenn man ja doch keine Ahnung hat, was am Ende dabei herauskommen kann? Aber das soll jetzt gar nicht Thema sein!

Seit besagtem Herbst 1982 beobachte ich nun also das politische Geschehen in Deutschland, und in diesen annähernd drei Jahrzehnten – die überwiegende Mehrheit davon unter der Ägide Kohl – habe ich, wenn man’s genau nimmt, nicht eine einzige, echte und erwähnenswerte, neue politische Idee wahrgenommen.

In 27 Jahren sah ich auf immer die gleichen Probleme, die immer gleichen, stereotypen Reaktionen und Aktionen folgen. Und selbst bei Themen und Problemen, die tatsächlich neu oder außergewöhnlich sind – Klimawandel, globale Vernetzung, weltweite Finanzkrise usw. – agieren die politisch Werktätigen mit verstaubtem Instrumentarium, das zum großen Teil noch aus dem vorletzten Jahrhundert stammt.

Klettern die Arbeitslosenzahlen, wird das Rentenalter gesenkt, wenn dann bemerkt wird, dass sich die Rentenkassen besorgniserregend leeren, werden die Beiträge erhöht, solange, bis sich niemand mehr neue Arbeitskräfte leisten kann, dann wird das Rentenalter wieder heraufgesetzt, was erneut den Arbeitsmarkt belastet und der Kreis schließt sich. Nur eines von unzähligen Beispielen.

Links & Rechts – Themen für Joghurtteilchen

Und noch immer teilt sich die politische Welt in „links“, „rechts“ und ein bisschen „Mitte“. Allesamt gesellschaftliche Grundkonzepte, die im Wesentlichen Mitte des vorvergangenen Jahrhunderts formuliert wurden, die aber auf die Herausforderungen der Gegenwart in Wahrheit per se keine Antworten haben.

Bei Karl Marx wird man ebenso wenig über den Anstieg des Meeresspiegels lesen, wie bei Ludwig Windthorst über die demographischen Veränderungen während der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts. Es ist, als wolle man ein Notebook mit dem Werkzeugkoffer eines mittelalterlichen Hufschmieds reparieren.

Rechts und links, das sind Themen für sich drehende Joghurtteilchen! Aus den politischen Debatten der Jetztzeit sollten sich diese Begriffe längst verabschiedet haben. Aber der Mensch liebt natürlich seine Schubladen.

Die letzte, halbwegs erwähnenswerte neue Idee, die mir untergekommen ist, oder sagen wir besser neue Einsicht, da es nicht wirklich eine Idee war, stammte ausgerechnet von Oskar Lafontaine, eben jenem, der seit seiner Rückkehr aus der Frühpension ausschließlich ebensolche Kammelen aufbrüht, die auf der Mitte des 19. Jahrhunderts datieren, die er aber durchaus „hip“ und gekonnt vorträgt.

Seine einzige wirklich neuwertige Ansage ist hingegen auch schon wieder über 20 Jahre alt, nämlich die  Erkenntnis, dass kürzere Arbeitszeiten nur dann zu mehr Beschäftigung führen können, wenn sie ohne vollen Lohnausgleich stattfinden. Für jeden, der zehn Finger – im Zweifel reichen dafür auch ein paar weniger – besitz, um damit zu zählen, eigentlich das Selbstverständlichste auf der Welt. Lafontaine wurde seinerzeit dafür natürlich politisch gesteinigt und zur Strafe erst einmal nicht Kanzlerkandidat der SPD. So geht es jemandem, der „Neues“ verkündet.

Der vorwitzige Saarländer machte noch einmal den Fehler etwas Unangenehmes in die Welt zu posaunen, nämlich als er es für angebracht hielt, darauf hinzuweisen, dass die deutsche Wiedervereinigung irgendwie ein wenig was kosten und dass das vermutlich wohl nicht ganz aus der Portokasse zu bezahlen sein wird.

Zu diesem Zeitpunkt war er dummerweise bereits Kanzlerkandidat, worauf er folgerichtig nur mit der seinerzeit heftigsten Wahlniederlage der SPD seit Kriegsende bestraft werden konnte. Kein Wunder, dass der Mann seither beschlossen hat, den Menschen fortan nur noch güldene Füllhörner zu versprechen. Es solle niemand sagen ein Politiker wäre nicht lernfähig.

Aber zurück zu den neuen Ideen. Beziehungsweise zu deren anhaltender Abwesenheit.

Mit etwas gutem Willen könnte man die im Rahmen der Weltfinanz- und Wirtschaftskrise auf den Eilweg gebrachte „Verschrottungsprämie“ als neue und innovative Idee preisen. Wenn man dies aber im Licht des eigentlichen Problems der Menschheit in diesem Jahrhundert – der fortschreitenden Klimakatastrophe und der zunehmend eklatant werdenden Energieunsicherheit – betrachtet, dann ist man versucht, dieses Glühwürmchen des politischen Leuchtkastens eher unerwähnt zu lassen. Zumal, wenn die herausragende, neue politische Idee des vergangenen Vierteljahrhunderts ausgerechnet eine „Verschrottungsprämie“ sein soll, dann erübrigt sich ohnehin jeder weitere Kommentar.

“Idea-Bashing” – olympische Disziplin

Ich möchte dabei – und auf diese Feststellung lege ich großen Wert – den schwarzen Peter nicht so einfach im gewohnten und tausendfach eingeübten Reflex den Politikern zustecken!

Die zweite gesellschaftliche Kaste, welcher der gewöhnliche Bürger oft genau so sprach- wie hilflos gegenübersteht wie den Politikern, hat über viele Jahrzehnte ein Ritual geprägt, dass prächtig dazu angetan ist, Neues früh- und rechtzeitig im Keime zu ersticken.

Eine der quasi olympischen Disziplinen der freien Weltpresse besteht seit vielen Jahren darin, von „gewöhnlich gut informierten Kreisen“ häppchenweise Bruchstücke von Informationen über Programme, Konzepte, Ideen möglichst vor allen anderen zu bekommen, diese dann – meist auf Basis der eigenen Phantasie oder Vorstellungskraft – zu ergänzen oder auf ein imaginäres „das würde dann passieren“ Szenario zu projizieren und selbiges in der Folge selbstverständlich genüsslich zu zerreißen, wohl wissend, dass kaum Gegenwehr zu erwarten ist, da diejenigen, die eigentlich gerade erst begonnen haben, eine neue Idee zu durchdenken, diese selbst noch nicht bis zum Ende gesponnen, geschweige denn auf scharfe Konters hin fit gemacht haben.

Und so verschwinden solche Konzepte – wenn sie den überhaupt entstehen – meist schneller wieder in tiefsten Schubladen, als sie auf den Diskussionstableaus gelandet sind. Meist haben sich die politischen Akteure jedoch solche Experimente inzwischen ohnehin ganz abgewöhnt. Es ist schon anstrengend genug, Routinemethoden unbeschadet über die Piste zu bringen, warum sich das Leben mit vielleicht guten, aber in aller Regel hoffnungslosen Geistesblitzen erschweren.

Ein durchaus gerüttelt Maß am Nichtvorhandensein innovativer Denkansätze in der Welt der Politik trägt aber auch der Souverän, vulgo „das Volk“. Das Motto „da weiß man, was man hat“ hat beinahe schon religiös-dogmatischen Charakter mitsamt einer rituellen Dreifaltigkeit aus Zetern & Nörgeln, persönliche Inaktivität und Wählen wie immer. Oder, wie man an den Stammtischen im süddeutschen Raum zu sagen pflegt: „des ham’ma scho imma so g’macht. Des hot’s da no nia ge’m. Und, da kunnt’a a jeda kemma“ (Gesamtdeutsche Übersetzung: „Das haben wir schon immer so gemacht. Das hat es bei uns noch nie gegeben. Da könnte ja jeder kommen.)

Einladung zum Funkenflug

Und doch, mit Fortschreiten des 21. Jahrhunderts – wie gehen schon bald in die zweite Runde – denke ich, dass es mehr als an der Zeit ist, wieder einmal ein paar Neuigkeiten, nicht nur zu denken, sondern auch schlicht und ergreifend auszuprobieren.

Das müssen keine Revolutionen sein. Davon hatte die Welt in den vergangen zwei Jahrhunderten wahrlich zur Genüge. Nein, wir könnten uns zum Beispiel an der Technik orientieren. Das Mobiltelefon– eine an sich fast winzige und zunächst auch gar nicht so atemberaubende technologische Entwicklungen – hat die Wirtschaft, das tägliche Leben und letztlich sogar die sozialen Gefüge der Gesellschaft in einem Maße verändert, wie zuletzt nur das Fernsehen, das Automobil und davor die Dampfmaschine. Ebenso natürlich das Internet, gleichfalls eher eine clevere Kombination aus Möglichem denn eine revolutionäre Erfindung.

Und so möchte ich in dieser neuen Rubrik dazu einladen Neue Ideen in den Raum zu stellen – ganz neue, oder auch solche, die bislang vielleicht übersehen wurden – sachlich zu diskutieren, und – wer weiß – vielleicht ein paar kleine Funken zu erzeugen, die fliegen und mit etwas Glück irgendwo ein frisches Feuerchen entfachen.

Ihre Meinung?

Um mit gutem Beispiel voranzugehen, folgen gleich einmal erste Gedankengänge:

Neue Ideen Folge 1: “Haste ma ne Muschl” oder was Opel und Papua-Neuguiena gemeinsam haben könnten

Neue Ideen Folge 2: “Der Mensch erfand das Feuer – leider” (reloaded)

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„Haste ma’ ne Muschl?“, oder was Opel und Papua-Neuguinea gemeinsam haben könnten

Posted by hantigkohneo - 22. Juni 2009

Papua-Neuguinea kennt neben dem „Kina“ als gesetzliches Zahlungsmittel auch das traditionelle Muschelgeld der einheimischen Bevölkerung. Dessen Gebrauch wird von einigen Provinzregierungen aktiv gefördert. Auch wenn es eher archaisch klingt, die grundsätzliche Idee dahinter könnte zu einem wirkungsvollen Instrument einer modernen Wirtschaftspolitik entwickelt werden.

opel-muschelEine gute Gelegenheit Innovation in politisches Handeln einfließen zu lassen, böte die aktuelle Wirtschaftskrise und die damit einhergehende Frage nach staatlichen Rettungsmaßnahmen, wie unlängst im Fall Opel oder in Sachen Arcandor, Schäffler usw.

Die große Sorge z.B. bei der Opelproblematik war ja, dass Gelder, die der deutsche Staat zuschießt, vor allem in den leeren Kassen des US-amerikanischen Mutterkonzerns General Motors landen könnte. So wie in solchen Fällen grundsätzlich – und durchaus nicht zu unrecht – befürchtet wird, dass von der öffentlichen Hand gewährleistete Liquidität letztendlich in den Taschen von vermeintlichen Investoren und Rettern landet, die – eventuell nach einer gewissen Schamfrist – das jeweilige Unternehmen dann doch filetieren und Stückweise wieder veräußern, nachdem sie sich die Übernahmen mit Hilfe der Barbestände der Vereinnahmten refinanziert haben.

Als bislang einzige Antwort auf dieses Risiko für den Steuerzahler erklingt bislang stets – einem 150 Jahre alten Echo gleich – der Ruf nach Verstaatlichung der zu rettenden Betriebe oder Konzerne. Ein eigentlich schon überwunden geglaubter Klang, der jedoch eine erstaunliche Renaissance erlebt und der immer wieder die Augen der Mitglieder „linker“ Flügel aller Parteien sowie vieler Staatsdiener zum Leuchten bringen kann.

Unverständlicherweise: bedeutet Verstaatlichung doch nur, dass sich das Risiko in der Folge nicht nur auf einmal zugesagte Hilfsbeträge beschränkt, sondern dass die negativen Ergebnisse jener Firmen auf unabsehbare Zeit von der Allgemeinheit zu begleichen sein werden. Schnelle Sanierungserfolge sind ja nicht unbedingt kennzeichnend für öffentliche Eigentümer und das Hoffen auf ein Konjunkturwunder kann man wohl kaum ernsthaft als aktive, seriöse und kreative Politik bezeichnen.

Eine Idee, die sich ebendiese Attribute verdienen könnte, wäre eventuell das folgende Konzept, welches bislang eher mit Förderprogrammen zumeist ländlicher Regionen oder mit Entwicklungsinitiativen der Dritten Welt verbunden wird. Anwendungsgebiete, in denen der Gedanke bereits erfolgreich umgesetzt werden konnte.

Intelligent eingesetzt steckt aber mit Sicherheit noch weitaus größeres Potential darin. Die Rede ist von Komplementärwährungen.

Eine komplementäre Währung ist, vereinfacht gesagt, ein Zahlungsmittel, auf das sich eine Gemeinschaft – das kann ein Unternehmensverband ebenso sein, wie eine Ortsgemeinde oder die Mitglieder eines Vereins – verständigt, ohne dabei die eigentliche, offizielle Währung zu verdrängen. Ergänzend, komplementär eben.

Beispiele für komplementäre Währungen sind u.a. das Eingangs erwähnte Muschelgeld der Tolai, einer Bevölkerungsgruppe in Papua-Neuguinea, oder der Bethel-Euro, der den Einkauf in den von Bodelschwinghschen Anstalten Bethel erlaubt. In den Regionen Chiemgau, Ainring, Pfaffenhofen, Göttingen, Witzenhausen, Gießen, Hagen, Schopfheim, Siegen, Berlin, Düsseldorf, Dresden, Kamenz, Zwönitz, Hitzacker, Neustadt (Dosse) und Schleswig-Holstein gibt es so genannte Gutscheinringe, denen sich alle Verbraucher und Gewerbetreibende anschließen können, mit dem Ziel die regionale Wirtschaft zu beleben. Und 1932/33 brachte die österreichische Stadt Wörgl eine eigene Komplementärwährung in Umlauf,  ein Experiment das später als das „Wunder von Wörgl“ bekannt wurde.

Die Vorteile von Komplementärwährungen liegen – auch das mag wieder paradox klingen – genau in ihren Beschränkungen. Dadurch, dass sie keine allgemeine und uneingeschränkte Gültigkeit haben, kommen sie dem ursprünglichen Sinn eines Zahlungsmittels, nämlich den indirekten Tausch von Waren und Dienstleistungen zu ermöglichen, wieder weitaus näher, als die offiziellen Währungen, die im Rahmen des weltweiten Finanzwesens längst ein Eigenleben entwickelt haben, das sich, wie man unlängst erst beobachten und bestaunen konnte, von der „realen“ Wirtschaft zum großen Teil entkoppelt hat.

So besteht zum Beispiel kaum ein Anreiz komplementäre Geldscheine zu „sammeln“, also anzusparen, wenn sich mit diesen „nur“ landwirtschaftliche Produkte einer bestimmten Gegend in Bayern erwerben lassen. Es sei denn, man spekuliert darauf, dass die Menschen irgendwann süchtig werden, nach Eiern und Käse aus dem Allgäu, oder ähnlichem.

Dadurch bleibt das „Ergänzungsgeld“ aktiv und vergleichsweise zügig in Umlauf. Zudem lässt sich die Gruppe derer relativ genau definieren, die von dieser zusätzlichen Liquidität profitieren sollen, da sich diejenigen, die eine Komplementärwährung nutzen, dazu klar deklarieren müssen. Gleiches gilt für die Waren oder Dienstleistungen, die mit den parallelen Zahlungsmitteln zu bekommen sind und die sich entsprechend der Zielrichtung eines solchen Projektes eingrenzen lassen.

Oder anders gesagt, der Weg des Geldes kann in diesen Fällen sehr genau determiniert und beobachtet werden.

Wie sich dies wirtschaftspolitisch effektiv anwenden ließe, soll im Folgenden exemplarisch am Fall Opel kurz umrissen werden:

Die Republik druckt und besichert gemeinsam mit den durch Opelwerksstandorte betroffenen Bundesländern eine Milliarde „Opel-Euro“ und stellt diese der Adam Opel GmbH als Liquiditätsbrücke zur Verfügung.

Personen oder Unternehmen der folgenden Gruppen können den „Opel-Euro“ freiwillig als Zahlungsmittel anerkennen: Opelmitarbeiter und –zulieferer sowie wiederum deren Mitarbeiter, regionale Handels- und Dienstleistungsbetriebe, Mietgeber und z.B Energieversorger.

Auf diese Weise wird zum einen ausgeschlossen, dass die gewährten Hilfsgelder in die USA abfließen, denn dort ließe sich mit dieser Währung gar nichts anfangen, und andererseits wird dabei auch ein starker Impuls in die regionale Wirtschaft gegeben, verbunden mit großem öffentlichen Interesse und einem entsprechenden Imagegewinn, den eine solche Aktion für die teilnehmenden Betriebe bringt.

In einem weiteren Schritt lassen sich dann zusätzliche Hebel und Anreize schaffen. Z.B. in dem die Opelwährung mit einer gewissen Wertsteigerung versehen wird, wenn sie für bestimmte – beispielsweise ökologisch sinnvolle – Ausgaben genutzt wird.

Den entsprechenden Anbietern – sagen wir vielleicht Herstellern von Wärmepumpen für energiesparendes Heizen o.ä. – wird zu diesem Zweck ermöglicht, die „Opel-Euro“ bei ihrer Hausbank in reguläre Euro zu wechseln, wobei sie z.B. einen bestimmten Prozentsatz mehr ausbezahlt bekommen, als der Nennwert der eingetauschten „Opel-Euro“ beträgt. Vorausgesetzt, es wurde nachweislich die Hälfte dieses Bonusanteils dem jeweiligen Kunden als Nachlass gewährt. Auf diese Weise ergibt sich daraus ein Benefit für alle beteiligten. Dies nur als ein Beispiel, wie ergänzend Anreize geschaffen werden könnten.

Nun werden kritische Zeitgenossen zweifellos einwerfen, dass der zusätzliche Verwaltungsaufwand für ein solches Komplementärwährungsprojekt sehr groß wäre. Das ist sicherlich auch nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen, gilt allerdings mit einiger Wahrscheinlichkeit ebenso für ein „traditionelles“ Rettungsprogramm, wie jenes, das gerade tatsächlich für Opel auf den Weg gebracht wurde. Allein die Armada hochkarätiger Anwälte, die jetzt über den entsprechenden, internationalen Verträgen brütet, dürfte dem Bund ein ganz erklägliches Sümmchen in Rechnung stellen.

Zudem muss zusätzliche Arbeit, so sie denn sinnvoll ist – gerade in Zeiten, in denen ein signifikanter Anstieg der Arbeitslosigkeit zu befürchten ist – ja nicht per se negativ sein.

Ein weiteres „Aber…“ könnte mit Blick auf die Europäische Union eingebracht werden. Ob ein derartiges, groß angelegtes Konzept einer zielgerichteten Komplementärwährung mit allen Wettbewerbsregeln der Gemeinschaft konform geht, ist natürlich schwer abzuschätzen, es darf aber grundsätzlich bezweifelt werden.

Was jedoch nicht heißen darf, dass man aus diesem Grund solche Maßnahmen gleich in vorauseilendem Gehorsam gar nicht erst weiter denken soll. Ganz im Gegenteil! Viel zu oft dient der Verweis auf Brüssel als bequeme Ausrede, um ungewöhnliche, neue oder einfach nur relativ arbeitsaufwendige Unterfangen gleich schon im Keim zu ersticken. Das schadet dem Image der Union gewaltig und entspricht dabei in keiner Weise ihrer eigentlichen Idee, eben genau größere und vor allem innovative Projekte voranzubringen.

eurogluehbirne-schraegUnd wenn bestimmte Regeln – die sicherlich aus Sinn machenden Gründen erstellt wurden – neuen, intelligenten Ideen entgegenstehen, dann muss darüber eben verhandelt werden. Schließlich sind die Marktregeln der EU keine göttlichen Gesetze, die in Stein gemeißelt wären. Die Europäische Union ist letztlich auch nur ein Verein. Und wenn sich die Mitglieder eines Vereins mehrheitlich einig sind (liebe Tschechen, liebe Iren, an dieser Stelle eine aus tiefstem Herzen kommende Fürbitte: Lissabon-Vertrag – jetzt! – bitte! Danke, thanks, tekujem!), dann steht konstruktiven Veränderungen nichts im Wege.

Der Fall Opel und die aktuelle Wirtschaftskrise sind natürlich nur ausgesuchte Exempel. Komplementärwährungen könnten in vielen Bereichen als treffsichere Maßnahme eingesetzt werden, sei es bei Städteentwicklungen, bei Themen der Energieeffizienz und der CO2-Reduktion, im Gesundheits- und im Bildungswesen oder in der Kulturpolitik. „You name it“, wie der Angelsachse zu sagen pflegt.

Und viele dieser Möglichkeiten müssten dabei nicht einmal unbedingt von Vater oder Mutter Staat gesetzt und initiiert werden. Die gern und häufig zitierte Zivilgesellschaft wäre in diesem Bereich ganz eigenständig zu vielem in der Lage.

Gäbe es eine Vielzahl von regionalen oder auf bestimmte Zielgruppen ausgelegte Komplementärwährungsprojekte so wäre ein willkommener „Nebeneffekt“, dass dadurch auch die Abhängigkeiten von den offiziellen Währungen und deren Unwägbarkeiten – siehe Finanzkrise – verringert und zugleich die Idee eines „Europas der Regionen“, evtl. sogar einer „Welt der Regionen“, spürbar vorangebracht würde.

Natürlich steckt wie so oft, der Teufel im Detail. Aber das war ja bekanntlich auch bei der Glühbirne schon so.

Ihre Meinung?

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Wüstenstrom

Posted by hantigkohneo - 16. Juni 2009

Wenn’s wahr ist, dann wäre das eigentlich die Meldung des Jahres:

Solarthermie-Anlage nahe Las Vegas: 20 Großkonzerne planen den Bau riesiger Solarkraftwerke in Afrika. (Foto: dpa)

Solarthermie-Anlage nahe Las Vegas. (Foto: dpa)

“Ein Firmenkonsortium will in Afrika Sonnenkraftwerke bauen – für 400 Milliarden Euro. Es ist eine der größten privaten Ökostrom-Initiativen aller Zeiten.” (sueddeutsche.de am 15.06.2009)

Ich drück die Daumen!
Und hoffe, dass die Methode, den Strom nach Europa zu “transportieren” dann ebenso innovativ sein wird! Und hoffe, dass die regionale Bevölkerung ihren angemessenen Anteil haben wird, wenn ihr Rohstoff Sonnenenergie exportiert wird.

Viel zu hoffen also. Die Meldung aber mach Hoffnung auf jeden Fall…

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Noch nicht Krise genug!

Posted by hantigkohneo - 3. Juni 2009

Obwohl die Welt angeblich die schwerste Wirtschafts- und Finanzkrise seit 60 Jahren durchlebt, ist noch nicht eine einzige konkrete Maßnahme greifbar, wie eine Wiederholung der vermeintlichen Katastrophe künftig vermieden werden soll.

Mit Schrecken lese ich derzeit hier und da verhalten positive Meldungen. Nicht dass ich ein „Bad-News-Junky“. Aber auch wenn man mich diesbezüglich für pervers halten möge, die Vorstellung, dass die Welt das Tal der Krise bereits durchschritten hätte und sich auf schon auf dem Weg der Besserung befände, erfüllt mich mit Grausen.

„Rücken Sie vor aus ‚Los’ und ziehen Sie 4 Billionen von der Bank ein“

Der Weg der Besserung zum jetzigen Zeitpunkt würde zugleich den Weg zum „Weiter so“ bedeuten, die Spieler hätten neues Spielgeld getankt, es könnte fröhlich in die nächste Runde gehen. Und in das nächste große Loch. Dann vielleicht endgültig ein schwarzes – verdient hätten wir es.

Es erscheint mir aber doch beinahe irreal, dass eine so heftige und gewaltige Krise – General Motors ist ja nun wahrlich nicht gerade irgendeine Klitsche, die da grade mal so den Bach runter gegangen ist. Und das ist nur einer der höchsten Leuchttürme, die derzeit ins Wanken und Stürzen geraten sind – dass das alles, inklusive der Vernichtung Hunderttausender von Arbeitsplätzen und zehntausender privater Existenzen, so gänzlich ohne wirkliche Konsequenzen vorübergehen soll. Aus diesem Grund, habe ich in den letzten Tagen versucht, ein paar Informationen zu recherchieren und zu ergoogeln, was denn derzeit an bleibenden Maßnahmen auf dem Tableau läge. Sowohl auf nationaler Ebene, als auch auf europäischer und weltweiter.

Brief an Christine Scheel

Da ich mich nicht nur auf meinen subjektiven Blick- und Suchwinkel verlassen wollte, habe ich unter anderem auf www.abgeordnetenwatch.de an Christine Scheel als Mitglied des Bundestagsausschusses für Finanzen geschrieben (http://www.abgeordnetenwatch.de/christine_scheel-650-5760–f190967.html#q190967):

Sehr geehrte Frau Scheel,
obwohl ich ein aufmerksamer Beobachter der medialen politischen Berichterstattung bin, war es mir bislang nicht möglich, zu eruieren, welche Maßnahmen denn nun, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene geplant oder auch bereits beschlossen sind, um Entwicklungen, wie denen, die zu der aktuellen Weltfinanz- und Weltwirtschaftskirse geführt haben, in Zukunft zu verhindern.
Ausser einigen Allgemeinplätzen wie “stärkere Kontrolle”, “mehr internationale Zusammenarbeit” ist mir auch nach zwei G20 Treffen zu diesem Thema, als auch z.B. im Rahmen des laufenden EU-, wie auch des anlaufenden Bundestagswahlkampfes, noch nicht untergekommen.

Haben Sie, bzw. der Finanzausschuss als solches, evtl. einen detaillierten Überblick über die (hoffentlich) anstehenden Anstrengungen?

Vielen Dank, mit besten Grüßen,
Daniel Hantigk

Ich möchte an diese Stelle zum einen anmerken, dass ich die Plattform www.abgeordnetenwatch.de für eine großartige Einrichtung halte, und zum anderen, dass ich in der Tat positiv überrascht war, als in nicht einmal 24 Stunden auf diese Anfrage eine freundliche, individuelle und in gewissem Sinne durchaus informative Antwort sogar mit PDF Attachements erhalten hatte. Ein ausdrückliches Dankeschön nebst Lob an das Büro von Frau Scheel und an die Bundestagsfraktion der Grünen!

Leider hat diese Antwort aus dem Bundestag genau das bestätigt, was ich befürchtet hatte und was auch meine sonstigen Recherchen ergeben haben.

Hier die Replik von Frau Scheel im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Hantigk,
vielen Dank für Ihre Frage zur Finanzmarktkrise. Einen allgemeinen Überblick über alle beschlossenen und eingeleiteten Maßnahmen gibt es nicht. Auf der Internetseite www.bundesfinanzministerium.de finden sie einen Überblick über die Maßnahmen aus bundesrepublikanischer Sicht. Auf der Seite der grünen Bundestagsfraktion www.gruene-fraktion.de, Stichwort Finanzen, finden Sie unsere aktuelle Kommentierung z.B. zu den Beschlüssen des G 20 Gipfels oder zu dem vorgelegten Bad-Bank-Modell der Bundesregierung. (vgl. Anlagen) In der Zwischenzeit hat auch die EU-Kommission ihre Vorschläge zu einer europäischen Finanzmarktaufsicht veröffentlich. Der Beratungsprozess dazu hat erst begonnen (vgl. Anlage).
Mit freundlichen Grüßen
Christine Scheel

Auch der Klick auf die Seiten des Bundesfinanzministeriums und auf die der Grünenfraktion, sowie die Durchsicht der erwähnten und attachten Anlagen brachten das gleiche Ergebnis:

Weder die deutsche Bundesregierung oder das Parlament, noch die G20, noch die EU haben bislang auch nur eine einzige konkrete Maßnahme formuliert, geschweige denn deren Umsetzung auf den Weg gebracht.

Nichts, was über die Schlagworte „mehr Aufsicht“ und „mehr Kontrolle“ hinaus ginge. Wobei sich auch bei diesen „Maßnahmen“ die Frage stellt, was denn da hinkünftig schärfer kontrolliert werden soll. Bevor ich eine Herde Schiedsrichter auf ein Spielfeld schicke, muss ich doch zunächst einmal Regeln formulieren, die es zu überwachen gilt. Das Ganze erscheint ein wenig so, als würde ich einem chronisch Kranken häufigere Arztbesuche anstelle einer Therapie verschreiben.

Hoffnung auf die „BBB“

Meine ganze Hoffnung ruht nun auf den „BBB“! Den „Brot & Butter Briefen“ des Bundesfinanzministeriums. Diese durchaus anerkennenswerte Informationseinrichtung erscheint in der Kalenderwoche 24 mit einer neuen Ausgabe, welche wie folgt angekündigt ist:

Aktueller „Brot und Butter-Brief“: Daten, Fakten und Hintergründe zur Krise
Die gegenwärtige Wirtschafts- und Finanzkrise überschattet nicht nur das 60-jährige Bestehen der Bundesrepublik Deutschland – davon fast 20 Jahre als wiedervereinigtes Land. Sie hat auch den Aufschwung unserer Wirtschaft und die deutliche Erholung auf dem Arbeitsmarkt [Glossar] ebenso jäh beendet wie die zügige Rückführung der staatlichen Neuverschuldung in Richtung Null. Diese Krise fordert uns heraus, als Krisenmanager ebenso wie als Gestalter einer neuen, gerechteren Wirtschafts- und Finanzordnung.

Was in dieser historischen Krise vermieden werden muss und was stattdessen getan werden sollten, erfahren Sie in der neuen Ausgabe des Brot und Butter-Briefes des Bundesfinanzministeriums – angereichert mit zahlreichen aktuellen Daten und Fakten.

(http://www.bundesfinanzministerium.de/nn_54/DE/BMF__Startseite/Aktuelles/Info__Kampagnen/BROTUNDBUTTERBRIEF/Promoteaser__BBB.html?__nnn=true)

Die KW 24, das ist schon nächste Woche! Warten wir also ab und hoffen. Hoffen, dass wir uns bei den nächsten vorsichtigen Anzeichen einer Erholung der Konjunktur, der Wirtschaft, des Arbeitsmarktes, vielleicht doch wieder freuen dürfen.

Erfreulich wäre das.

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Farbe bekennen – mit den “Abendland” T-Shirts

Posted by hantigkohneo - 28. Mai 2009

Ein “Schnellschuss” aus aktuellem Anlass: wir haben ein paar T-Shirts produziert!

Jetzt zum Selbstkostenpreis bestellen und Stellung beziehen. Gegen Ausgrenzung, für kulturellen Austausch
und interkulturelle Kommunikation auf Augenhöhe!

T-Shirt-Abendland-700

Wir machen’s ganz unkompliziert:

  • Einfach ein E-Mail an daniel.hantigk@gmail.com, Stichwort Abendland-T-Shirt
  • Farbe angeben. Es gibt: rot, blau, kaki, gelb (von links oben nach rechts unten)
  • Größe angeben. Es gibt: XL, L, M, S
  • Versandadresse angeben. Nur EU!
  • Bitte um Angabe, ob per Vorkasse – dann senden wir im Antwortmail die Kontoverbindung mit, oder per Nachnahme (7,- Gebühr!)

Selbstkostenpreis: 13,- plus Versand

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