Obwohl die Welt angeblich die schwerste Wirtschafts- und Finanzkrise seit 60 Jahren durchlebt, ist noch nicht eine einzige konkrete Maßnahme greifbar, wie eine Wiederholung der vermeintlichen Katastrophe künftig vermieden werden soll.
Mit Schrecken lese ich derzeit hier und da verhalten positive Meldungen. Nicht dass ich ein „Bad-News-Junky“. Aber auch wenn man mich diesbezüglich für pervers halten möge, die Vorstellung, dass die Welt das Tal der Krise bereits durchschritten hätte und sich auf schon auf dem Weg der Besserung befände, erfüllt mich mit Grausen.
„Rücken Sie vor aus ‚Los’ und ziehen Sie 4 Billionen von der Bank ein“
Der Weg der Besserung zum jetzigen Zeitpunkt würde zugleich den Weg zum „Weiter so“ bedeuten, die Spieler hätten neues Spielgeld getankt, es könnte fröhlich in die nächste Runde gehen. Und in das nächste große Loch. Dann vielleicht endgültig ein schwarzes – verdient hätten wir es.
Es erscheint mir aber doch beinahe irreal, dass eine so heftige und gewaltige Krise – General Motors ist ja nun wahrlich nicht gerade irgendeine Klitsche, die da grade mal so den Bach runter gegangen ist. Und das ist nur einer der höchsten Leuchttürme, die derzeit ins Wanken und Stürzen geraten sind – dass das alles, inklusive der Vernichtung Hunderttausender von Arbeitsplätzen und zehntausender privater Existenzen, so gänzlich ohne wirkliche Konsequenzen vorübergehen soll. Aus diesem Grund, habe ich in den letzten Tagen versucht, ein paar Informationen zu recherchieren und zu ergoogeln, was denn derzeit an bleibenden Maßnahmen auf dem Tableau läge. Sowohl auf nationaler Ebene, als auch auf europäischer und weltweiter.
Brief an Christine Scheel
Da ich mich nicht nur auf meinen subjektiven Blick- und Suchwinkel verlassen wollte, habe ich unter anderem auf www.abgeordnetenwatch.de an Christine Scheel als Mitglied des Bundestagsausschusses für Finanzen geschrieben (http://www.abgeordnetenwatch.de/christine_scheel-650-5760–f190967.html#q190967):
Sehr geehrte Frau Scheel,
obwohl ich ein aufmerksamer Beobachter der medialen politischen Berichterstattung bin, war es mir bislang nicht möglich, zu eruieren, welche Maßnahmen denn nun, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene geplant oder auch bereits beschlossen sind, um Entwicklungen, wie denen, die zu der aktuellen Weltfinanz- und Weltwirtschaftskirse geführt haben, in Zukunft zu verhindern.
Ausser einigen Allgemeinplätzen wie “stärkere Kontrolle”, “mehr internationale Zusammenarbeit” ist mir auch nach zwei G20 Treffen zu diesem Thema, als auch z.B. im Rahmen des laufenden EU-, wie auch des anlaufenden Bundestagswahlkampfes, noch nicht untergekommen.
Haben Sie, bzw. der Finanzausschuss als solches, evtl. einen detaillierten Überblick über die (hoffentlich) anstehenden Anstrengungen?
Vielen Dank, mit besten Grüßen,
Daniel Hantigk
Ich möchte an diese Stelle zum einen anmerken, dass ich die Plattform www.abgeordnetenwatch.de für eine großartige Einrichtung halte, und zum anderen, dass ich in der Tat positiv überrascht war, als in nicht einmal 24 Stunden auf diese Anfrage eine freundliche, individuelle und in gewissem Sinne durchaus informative Antwort sogar mit PDF Attachements erhalten hatte. Ein ausdrückliches Dankeschön nebst Lob an das Büro von Frau Scheel und an die Bundestagsfraktion der Grünen!
Leider hat diese Antwort aus dem Bundestag genau das bestätigt, was ich befürchtet hatte und was auch meine sonstigen Recherchen ergeben haben.
Hier die Replik von Frau Scheel im Wortlaut:
Sehr geehrter Herr Hantigk,
vielen Dank für Ihre Frage zur Finanzmarktkrise. Einen allgemeinen Überblick über alle beschlossenen und eingeleiteten Maßnahmen gibt es nicht. Auf der Internetseite www.bundesfinanzministerium.de finden sie einen Überblick über die Maßnahmen aus bundesrepublikanischer Sicht. Auf der Seite der grünen Bundestagsfraktion www.gruene-fraktion.de, Stichwort Finanzen, finden Sie unsere aktuelle Kommentierung z.B. zu den Beschlüssen des G 20 Gipfels oder zu dem vorgelegten Bad-Bank-Modell der Bundesregierung. (vgl. Anlagen) In der Zwischenzeit hat auch die EU-Kommission ihre Vorschläge zu einer europäischen Finanzmarktaufsicht veröffentlich. Der Beratungsprozess dazu hat erst begonnen (vgl. Anlage). Mit freundlichen Grüßen
Christine Scheel
Auch der Klick auf die Seiten des Bundesfinanzministeriums und auf die der Grünenfraktion, sowie die Durchsicht der erwähnten und attachten Anlagen brachten das gleiche Ergebnis:
Weder die deutsche Bundesregierung oder das Parlament, noch die G20, noch die EU haben bislang auch nur eine einzige konkrete Maßnahme formuliert, geschweige denn deren Umsetzung auf den Weg gebracht.
Nichts, was über die Schlagworte „mehr Aufsicht“ und „mehr Kontrolle“ hinaus ginge. Wobei sich auch bei diesen „Maßnahmen“ die Frage stellt, was denn da hinkünftig schärfer kontrolliert werden soll. Bevor ich eine Herde Schiedsrichter auf ein Spielfeld schicke, muss ich doch zunächst einmal Regeln formulieren, die es zu überwachen gilt. Das Ganze erscheint ein wenig so, als würde ich einem chronisch Kranken häufigere Arztbesuche anstelle einer Therapie verschreiben.
Hoffnung auf die „BBB“
Meine ganze Hoffnung ruht nun auf den „BBB“! Den „Brot & Butter Briefen“ des Bundesfinanzministeriums. Diese durchaus anerkennenswerte Informationseinrichtung erscheint in der Kalenderwoche 24 mit einer neuen Ausgabe, welche wie folgt angekündigt ist:
Aktueller „Brot und Butter-Brief“: Daten, Fakten und Hintergründe zur Krise
Die gegenwärtige Wirtschafts- und Finanzkrise überschattet nicht nur das 60-jährige Bestehen der Bundesrepublik Deutschland – davon fast 20 Jahre als wiedervereinigtes Land. Sie hat auch den Aufschwung unserer Wirtschaft und die deutliche Erholung auf dem Arbeitsmarkt [Glossar] ebenso jäh beendet wie die zügige Rückführung der staatlichen Neuverschuldung in Richtung Null. Diese Krise fordert uns heraus, als Krisenmanager ebenso wie als Gestalter einer neuen, gerechteren Wirtschafts- und Finanzordnung.
Was in dieser historischen Krise vermieden werden muss und was stattdessen getan werden sollten, erfahren Sie in der neuen Ausgabe des Brot und Butter-Briefes des Bundesfinanzministeriums – angereichert mit zahlreichen aktuellen Daten und Fakten.
(http://www.bundesfinanzministerium.de/nn_54/DE/BMF__Startseite/Aktuelles/Info__Kampagnen/BROTUNDBUTTERBRIEF/Promoteaser__BBB.html?__nnn=true)
Die KW 24, das ist schon nächste Woche! Warten wir also ab und hoffen. Hoffen, dass wir uns bei den nächsten vorsichtigen Anzeichen einer Erholung der Konjunktur, der Wirtschaft, des Arbeitsmarktes, vielleicht doch wieder freuen dürfen.
Erfreulich wäre das.


