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„Haste ma’ ne Muschl?“, oder was Opel und Papua-Neuguinea gemeinsam haben könnten

Geschrieben von hantigkohneo - 22. Juni 2009

Papua-Neuguinea kennt neben dem „Kina“ als gesetzliches Zahlungsmittel auch das traditionelle Muschelgeld der einheimischen Bevölkerung. Dessen Gebrauch wird von einigen Provinzregierungen aktiv gefördert. Auch wenn es eher archaisch klingt, die grundsätzliche Idee dahinter könnte zu einem wirkungsvollen Instrument einer modernen Wirtschaftspolitik entwickelt werden.

opel-muschelEine gute Gelegenheit Innovation in politisches Handeln einfließen zu lassen, böte die aktuelle Wirtschaftskrise und die damit einhergehende Frage nach staatlichen Rettungsmaßnahmen, wie unlängst im Fall Opel oder in Sachen Arcandor, Schäffler usw.

Die große Sorge z.B. bei der Opelproblematik war ja, dass Gelder, die der deutsche Staat zuschießt, vor allem in den leeren Kassen des US-amerikanischen Mutterkonzerns General Motors landen könnte. So wie in solchen Fällen grundsätzlich – und durchaus nicht zu unrecht – befürchtet wird, dass von der öffentlichen Hand gewährleistete Liquidität letztendlich in den Taschen von vermeintlichen Investoren und Rettern landet, die – eventuell nach einer gewissen Schamfrist – das jeweilige Unternehmen dann doch filetieren und Stückweise wieder veräußern, nachdem sie sich die Übernahmen mit Hilfe der Barbestände der Vereinnahmten refinanziert haben.

Als bislang einzige Antwort auf dieses Risiko für den Steuerzahler erklingt bislang stets – einem 150 Jahre alten Echo gleich – der Ruf nach Verstaatlichung der zu rettenden Betriebe oder Konzerne. Ein eigentlich schon überwunden geglaubter Klang, der jedoch eine erstaunliche Renaissance erlebt und der immer wieder die Augen der Mitglieder „linker“ Flügel aller Parteien sowie vieler Staatsdiener zum Leuchten bringen kann.

Unverständlicherweise: bedeutet Verstaatlichung doch nur, dass sich das Risiko in der Folge nicht nur auf einmal zugesagte Hilfsbeträge beschränkt, sondern dass die negativen Ergebnisse jener Firmen auf unabsehbare Zeit von der Allgemeinheit zu begleichen sein werden. Schnelle Sanierungserfolge sind ja nicht unbedingt kennzeichnend für öffentliche Eigentümer und das Hoffen auf ein Konjunkturwunder kann man wohl kaum ernsthaft als aktive, seriöse und kreative Politik bezeichnen.

Eine Idee, die sich ebendiese Attribute verdienen könnte, wäre eventuell das folgende Konzept, welches bislang eher mit Förderprogrammen zumeist ländlicher Regionen oder mit Entwicklungsinitiativen der Dritten Welt verbunden wird. Anwendungsgebiete, in denen der Gedanke bereits erfolgreich umgesetzt werden konnte.

Intelligent eingesetzt steckt aber mit Sicherheit noch weitaus größeres Potential darin. Die Rede ist von Komplementärwährungen.

Eine komplementäre Währung ist, vereinfacht gesagt, ein Zahlungsmittel, auf das sich eine Gemeinschaft – das kann ein Unternehmensverband ebenso sein, wie eine Ortsgemeinde oder die Mitglieder eines Vereins – verständigt, ohne dabei die eigentliche, offizielle Währung zu verdrängen. Ergänzend, komplementär eben.

Beispiele für komplementäre Währungen sind u.a. das Eingangs erwähnte Muschelgeld der Tolai, einer Bevölkerungsgruppe in Papua-Neuguinea, oder der Bethel-Euro, der den Einkauf in den von Bodelschwinghschen Anstalten Bethel erlaubt. In den Regionen Chiemgau, Ainring, Pfaffenhofen, Göttingen, Witzenhausen, Gießen, Hagen, Schopfheim, Siegen, Berlin, Düsseldorf, Dresden, Kamenz, Zwönitz, Hitzacker, Neustadt (Dosse) und Schleswig-Holstein gibt es so genannte Gutscheinringe, denen sich alle Verbraucher und Gewerbetreibende anschließen können, mit dem Ziel die regionale Wirtschaft zu beleben. Und 1932/33 brachte die österreichische Stadt Wörgl eine eigene Komplementärwährung in Umlauf,  ein Experiment das später als das „Wunder von Wörgl“ bekannt wurde.

Die Vorteile von Komplementärwährungen liegen – auch das mag wieder paradox klingen – genau in ihren Beschränkungen. Dadurch, dass sie keine allgemeine und uneingeschränkte Gültigkeit haben, kommen sie dem ursprünglichen Sinn eines Zahlungsmittels, nämlich den indirekten Tausch von Waren und Dienstleistungen zu ermöglichen, wieder weitaus näher, als die offiziellen Währungen, die im Rahmen des weltweiten Finanzwesens längst ein Eigenleben entwickelt haben, das sich, wie man unlängst erst beobachten und bestaunen konnte, von der „realen“ Wirtschaft zum großen Teil entkoppelt hat.

So besteht zum Beispiel kaum ein Anreiz komplementäre Geldscheine zu „sammeln“, also anzusparen, wenn sich mit diesen „nur“ landwirtschaftliche Produkte einer bestimmten Gegend in Bayern erwerben lassen. Es sei denn, man spekuliert darauf, dass die Menschen irgendwann süchtig werden, nach Eiern und Käse aus dem Allgäu, oder ähnlichem.

Dadurch bleibt das „Ergänzungsgeld“ aktiv und vergleichsweise zügig in Umlauf. Zudem lässt sich die Gruppe derer relativ genau definieren, die von dieser zusätzlichen Liquidität profitieren sollen, da sich diejenigen, die eine Komplementärwährung nutzen, dazu klar deklarieren müssen. Gleiches gilt für die Waren oder Dienstleistungen, die mit den parallelen Zahlungsmitteln zu bekommen sind und die sich entsprechend der Zielrichtung eines solchen Projektes eingrenzen lassen.

Oder anders gesagt, der Weg des Geldes kann in diesen Fällen sehr genau determiniert und beobachtet werden.

Wie sich dies wirtschaftspolitisch effektiv anwenden ließe, soll im Folgenden exemplarisch am Fall Opel kurz umrissen werden:

Die Republik druckt und besichert gemeinsam mit den durch Opelwerksstandorte betroffenen Bundesländern eine Milliarde „Opel-Euro“ und stellt diese der Adam Opel GmbH als Liquiditätsbrücke zur Verfügung.

Personen oder Unternehmen der folgenden Gruppen können den „Opel-Euro“ freiwillig als Zahlungsmittel anerkennen: Opelmitarbeiter und –zulieferer sowie wiederum deren Mitarbeiter, regionale Handels- und Dienstleistungsbetriebe, Mietgeber und z.B Energieversorger.

Auf diese Weise wird zum einen ausgeschlossen, dass die gewährten Hilfsgelder in die USA abfließen, denn dort ließe sich mit dieser Währung gar nichts anfangen, und andererseits wird dabei auch ein starker Impuls in die regionale Wirtschaft gegeben, verbunden mit großem öffentlichen Interesse und einem entsprechenden Imagegewinn, den eine solche Aktion für die teilnehmenden Betriebe bringt.

In einem weiteren Schritt lassen sich dann zusätzliche Hebel und Anreize schaffen. Z.B. in dem die Opelwährung mit einer gewissen Wertsteigerung versehen wird, wenn sie für bestimmte – beispielsweise ökologisch sinnvolle – Ausgaben genutzt wird.

Den entsprechenden Anbietern – sagen wir vielleicht Herstellern von Wärmepumpen für energiesparendes Heizen o.ä. – wird zu diesem Zweck ermöglicht, die „Opel-Euro“ bei ihrer Hausbank in reguläre Euro zu wechseln, wobei sie z.B. einen bestimmten Prozentsatz mehr ausbezahlt bekommen, als der Nennwert der eingetauschten „Opel-Euro“ beträgt. Vorausgesetzt, es wurde nachweislich die Hälfte dieses Bonusanteils dem jeweiligen Kunden als Nachlass gewährt. Auf diese Weise ergibt sich daraus ein Benefit für alle beteiligten. Dies nur als ein Beispiel, wie ergänzend Anreize geschaffen werden könnten.

Nun werden kritische Zeitgenossen zweifellos einwerfen, dass der zusätzliche Verwaltungsaufwand für ein solches Komplementärwährungsprojekt sehr groß wäre. Das ist sicherlich auch nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen, gilt allerdings mit einiger Wahrscheinlichkeit ebenso für ein „traditionelles“ Rettungsprogramm, wie jenes, das gerade tatsächlich für Opel auf den Weg gebracht wurde. Allein die Armada hochkarätiger Anwälte, die jetzt über den entsprechenden, internationalen Verträgen brütet, dürfte dem Bund ein ganz erklägliches Sümmchen in Rechnung stellen.

Zudem muss zusätzliche Arbeit, so sie denn sinnvoll ist – gerade in Zeiten, in denen ein signifikanter Anstieg der Arbeitslosigkeit zu befürchten ist – ja nicht per se negativ sein.

Ein weiteres „Aber…“ könnte mit Blick auf die Europäische Union eingebracht werden. Ob ein derartiges, groß angelegtes Konzept einer zielgerichteten Komplementärwährung mit allen Wettbewerbsregeln der Gemeinschaft konform geht, ist natürlich schwer abzuschätzen, es darf aber grundsätzlich bezweifelt werden.

Was jedoch nicht heißen darf, dass man aus diesem Grund solche Maßnahmen gleich in vorauseilendem Gehorsam gar nicht erst weiter denken soll. Ganz im Gegenteil! Viel zu oft dient der Verweis auf Brüssel als bequeme Ausrede, um ungewöhnliche, neue oder einfach nur relativ arbeitsaufwendige Unterfangen gleich schon im Keim zu ersticken. Das schadet dem Image der Union gewaltig und entspricht dabei in keiner Weise ihrer eigentlichen Idee, eben genau größere und vor allem innovative Projekte voranzubringen.

eurogluehbirne-schraegUnd wenn bestimmte Regeln – die sicherlich aus Sinn machenden Gründen erstellt wurden – neuen, intelligenten Ideen entgegenstehen, dann muss darüber eben verhandelt werden. Schließlich sind die Marktregeln der EU keine göttlichen Gesetze, die in Stein gemeißelt wären. Die Europäische Union ist letztlich auch nur ein Verein. Und wenn sich die Mitglieder eines Vereins mehrheitlich einig sind (liebe Tschechen, liebe Iren, an dieser Stelle eine aus tiefstem Herzen kommende Fürbitte: Lissabon-Vertrag – jetzt! – bitte! Danke, thanks, tekujem!), dann steht konstruktiven Veränderungen nichts im Wege.

Der Fall Opel und die aktuelle Wirtschaftskrise sind natürlich nur ausgesuchte Exempel. Komplementärwährungen könnten in vielen Bereichen als treffsichere Maßnahme eingesetzt werden, sei es bei Städteentwicklungen, bei Themen der Energieeffizienz und der CO2-Reduktion, im Gesundheits- und im Bildungswesen oder in der Kulturpolitik. „You name it“, wie der Angelsachse zu sagen pflegt.

Und viele dieser Möglichkeiten müssten dabei nicht einmal unbedingt von Vater oder Mutter Staat gesetzt und initiiert werden. Die gern und häufig zitierte Zivilgesellschaft wäre in diesem Bereich ganz eigenständig zu vielem in der Lage.

Gäbe es eine Vielzahl von regionalen oder auf bestimmte Zielgruppen ausgelegte Komplementärwährungsprojekte so wäre ein willkommener „Nebeneffekt“, dass dadurch auch die Abhängigkeiten von den offiziellen Währungen und deren Unwägbarkeiten – siehe Finanzkrise – verringert und zugleich die Idee eines „Europas der Regionen“, evtl. sogar einer „Welt der Regionen“, spürbar vorangebracht würde.

Natürlich steckt wie so oft, der Teufel im Detail. Aber das war ja bekanntlich auch bei der Glühbirne schon so.

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Auenland:reloaded (Teaser Slideshow)

Geschrieben von hantigkohneo - 8. Februar 2009

Das Tolkien’sche Auenland liegt mystisch in Mittelerde und seit Peter Jackson vermuten wir es in den Weiten Neuseelands. Jedoch – Auenland liegt im östlichen Niederösterreich, zwischen Wien und der slowakischen Grenze.

Wenn Sie von der großen Fahrstraße, die von Maria Ellend nach Petronell-Carnuntum führt, kurz nach dem mächtigen Getreidespeicher links abbiegen, dann beim zweiten kleineren Fahrweg rechts, diesem etwa 800 Meter folgen und schließlich beim ersten kleinen Bach wieder rechts auf dem Feldweg geradeaus spazieren, dann kommen Sie ins Auenland.

Ein Auenland, wie es in der Welt Gandalfs, Frodos und Sams wohl aussehen würde, wenn nach dem vierten Zeitalter ein fünftes Beginnen würde und schliesslich eines, das wir 21. Jahrhundert nennen.

Ein freundliches Auenland, weitläufig, friedlich, mit sanften Hügeln und anmutig durchzogen von stolzen und über alles erhabenen Windrädern, prachtvollen Wahrzeichen einer weitsichtigen Menschheit.

Ich möchte Sie einladen zu einer Wanderung durch dieses Auenland. Auenland:reloaded.

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Ostblick: Rumänien

Geschrieben von hantigkohneo - 4. Januar 2009

Ohne allzu großes Aufsehen sind zum Jahreswechsel 2007 Bulgarien und Rumänien der Europäischen Union beigetreten. Nicht der einzige Grund aber immerhin ein Anlass für mich, einem der beiden neuen „Familienmitglieder“ den letztjährigen Sommerurlaub zu widmen. Nach nicht eben übermäßig intensivn Vorbereitungen – auf Google- Maps mal rasch nachgeschaut, wo das Land überhaupt genau liegt – starte ich also Mitte Juni zu einer 12-tägigen kleinen Expedition nach dem bewährten Motto „immer der Nase nach“. Verstärkung in Sachen „Nase“ habe ich dabei durch meine erfahrene Reisepartnerin Brooklyn: meiner 3-jährigen Boxer-Mastif-Mischlingsdame.

Von Debrecen (Ungarn) kommend, nach etwa 50 km durch sanfte Puszta-Landschaft, empfängt einen Rumänien mit geballter, brutaler Hässlichkeit. Gleich nach der Grenzkontrolle, die wider Erwarten rasch und problemlos verläuft, bietet das südöstlichste EU Land alles auf, was eine ehemalige sozialistische Republik an verfallenden Industriedenkmälern zu bieten hat. Rostende Rohranlagen, einstürzende Lagerhallen, monströse Fabrikgebäude, die bereits fortschreitend von der Natur zurückerobert werden. Irritierend nur, dass die dazugehörigen Schornsteine qualmen. Sollte hier noch gearbeitet werden? Irritierend auch, dass vor den Hallentoren Kinder spielen und alte, gebückte Frauen in Kleidern, die einmal bunt gewesen sein könnten, Wäsche aufhängen. Sollten hier Menschen wohnen?

Etwas nachdenklich fährt man durch diese zweifellos hässliche und doch faszinierende, sterbende Landschaft und während man sich einerseits zunehmend wie Mad Max fühlt, kommt einem das Ganze doch seltsam vertraut vor. Es fühlt sich an wie Erinnerung. Wie Kindheit? Italien, Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre – Urlaubsbilder aus lang vergangener Jugendzeit. Wer damals vom Brenner kommend ins Bozener Tal fuhr, noch über die windschiefe Brennerlandstrasse, lange bevor Europabrücke und all die schicken Tunnel gebaut wurden, den empfing das gelobte Urlaubsland mit genau der gleiche maroden Hässlichkeit, die einen bis kurz vor Venedig begleitete und die unzweifelhaft von Urlaub kündigte. Erleichtert fahren wir weiter. Alles in Ordnung also. Alles auf dem richtigen Weg.

Rumänische Städte, so scheint es, brauchen geduldige und kämpferische Besucher. Rumänische Städte wehren sich gegen Oberflächlichkeit. Denn wer nur rasch einen Blick auf sie werfen mag und schon am Ortseingangsschild sein Urteil fällt, der wird vermutlich gleich kehrt machen, wenn er die ersten drei oder vier Ringe seelenloser Kastenbauten und verwildernder Gewerbeparks passiert hat. Besucher mit Biss jedoch, die hartnäckig auch den vierten, fünften und sechsten Abwehrring präzise geplanter Augenbeleidigungen durchdringen, werden im wahrsten Sinne fürstlich belohnt. Denn in jeder dieser hartschalig gepanzerten Trutzburgen steckt ein Kern von nicht zu erahnender Schönheit.

Allein Oradea, an sich nichts weiter als die erste größere Siedlun nach der ungarisch-rumänischen Grenze, verbirgt in ihrem innersten eine Ansammlung atemberaubender Jugendstilgebäude, hinter der sich Wien, was Anzahl und Schmuckheit betrifft, getrost verstecken kann. Gewiss, noch ist das alles verstaubt, verbröselt und zerschunden, aber schon wird eifrig freigelegt, gemalert, überarbeitet und restauriert. Eine breite Fussgängerzone führt bereits durch die gesamte Altstadt, aufgelockert mit schlichten aber schicken Holzbänken, entlang an Boutiquen, Cafés und Mobilfunkläden. Die sozialistischen Bausünden halten sich hier im Inneren erstaunlicherweise in sehr überschaubarem Maße und sind grösstenteils sogar so schlicht, dass mit etwas Phantasie daraus recht ansehnliche, zeitgemäße Architektur werden könnte. Rasch mache ich eine Gedankennotiz im mentalen Organizer: „Frühjahr 2014 – Oradea besuchen“, mit dem dann vermutlich sehenswertesten Stadtzentrum Europas!

Wenn Sie authentische rumänische Küche genießen möchten, sei Ihnen Gheorghe Stancescu empfohlen. Er ist seit 1987 Inhaber eines kleinen Lokals in dem seine Frau die Küche führt und die von „Sarmale“, das sind Krautrouladen, über „Mittei cu Cartof Prajiti“, rumänischen Cevapcici, die saftiger sind als die von der Adria, einem „Icre de Rap“ genannten Karpfenroggen-Salat bis zur Kuttelflecksuppe „Ciobra de Burta“ alles bietet, was die rumänische Küche zu bieten hat. Alles durchaus herzhaft und am besten mit einem Zwetschgenschnaps zu verdauen. Das Lokal ist nicht besonders groß, dafür aber vergleichsweise günstig und sehr leicht zu erreichen. Es liegt im 17. Wiener Gemeindebezirk, in Hernals, gleich gegenüber der Kunsteislaufbahn Engelmann!

Weit schwieriger ist es in Rumänien echte heimische Küche auszumachen. Mir ist es in den 12 Tagen meiner Reise jedenfalls nicht wirklich gelungen. In den kleinen, gemütlichen oder auch ungemütlichen Lokalen auf dem Land wird mit Vorliebe Pizza Hawai oder „Snitsel Parisienne“ serviert, wobei letzteres dank der teilweise gemeinsamen K&K Historie Rumäniens und Österreichs mit etwas gutem Willen noch als rumänische Küche durchgehen könnte. In den teureren Restaurants in den Städten ist hingegen internationaler Standard New York Style angesagt. „Chicken Wings in Cornflakes with Mustard Souce“ oder „Hamburger Surpreme with Gorgonzola Dip and Cesars Salate“ – rumänische Hausmannskost scheint derzeit nicht en vogue zu sein.

Ich bin schon immer ein Freund der Donau gewesen. Ich mag den großen Bogen, den sie bei Ybbs in Niederösterreich schlägt, ich freue mich bei jeder Brücke auf der Autobahn von Passau nach Nürnberg, sie zu sehen, ich finde sie ein wenig vernachlässigt bei Wien und ich bin unsinnigerweise stolz auf sie, wenn ich in Budapest bin. Jedoch habe ich die Donau immer als etwas zutiefst österreichisches – klar, die Donaumonarchie – und als sehr gemäßigt, überschaubar, ja eigentlich als etwas sehr bürgerliches empfunden.

Vorurteile, die wortwörtlich über Bord gegangen sind, als ich kurz nach dem kleinen Ort Bazias etwas 80 km südlich von Temeswar um über eine Hügelkuppe gefahren bin und vor mir plötzlich die echte auftauchte. Die wahre Donau.

Denjenigen, die beim Gedanken an die „schöne blaue Donau“ ähnliches empfinden wie ich bis her, denen muss ich an dieser Stelle leider mitteilen, dass das, was wir kennen, nur eine Maske ist. Ein Spiel, das der Fluss mit uns treibt; vielleicht um einfach nicht zu sehr aufzufallen oder uns nicht übermäßig aufzuregen. Aber genau das ist sein eigentliches Wesen: aufregend. Nach jeder Kurve entlang der Uferstrasse – und derer hat es viele – entfuhr mir ein neuerliche „oh“ und „ah“. Immer noch breiter, noch imposanter weitet sich der Fluss aus. Und was wir als eher kühles Gewässer kennen, mit ordentlichen Kirchlein und Klöstern am Ufer, das entfaltet hier südländisches Temperament. Strände mit Sonnenschirmen und Uferpromenaden wechseln sich mit steilen Felsufern ab und mit Urwäldern, die direkt in die Fluten zu stürzen scheinen. So dass man in kurzer Folge wechselnd meint, mal an der französischen Riviera, mal am Grand Canyon und mal am Amazonas zu sein. Und auf dem glitzernden Nass sammeln sich abenteuerlich aussehende Frachtschiffe von beeindruckender Länge, umwieselt von modernen Motorjachten und gefährlich alt und fragil wirkenden Fischerjollen. Und dies alles passiert in einer geradezu musikalischen Farbenpracht, die so betörend ist, dass gar kein Zweifel bestehen kann: liebe Leser und Leserinnen, die Donau ist kein deutsches Mädle und auch keine Dirn aus Österreich, die Donau ist – im besten Sinne – eine Braut vom Balkan.

Ganz nebenbei: Die Flaschenpost, die ich mir eigentlich von Wien aus selber schicken wollte, hätte bis hierher – Drobeta-Turnu-Severin – ziemlich genauso lange gebraucht wie ich.

(in Teil 2 geht es um Zeitsprünge und warum Dracula ein Schwabe war…. folgt in Kürze)


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