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Abendland in Christenhand? Passt eh…

Geschrieben von hantigkohneo - 25. Mai 2009

Jesus Christus von Nazareth war Araber jüdischen Glaubens!

Jesus sagt: passt eh

„Abendland in Christenhand“, so dumm muss man erst einmal sein, sich so einen Slogan auszudenken. Jedenfalls dann, wenn man sich als ausländerfeindliche und migrationskritisch positionieren will und als Verteidiger von etwas, das man für bewahrenswerte, nationale Kultur und Identität hält.

„Abendland in Christenhand“, dieser Satz beinhaltet von alledem genau das Gegenteil!

Ja, er beweist sogar, dass anti-migrations und anti-multikulturelle Bestrebungen von je her unnotwendig, nicht sinnvoll und vor allem letztendlich niemals erfolgreich waren, sind oder sein werden.

Es genügt ja an sich schon, sich den Namen desjenigen, auf den sich die Erfinder des zitierten Slogans berufen wollen, einmal genauer vor Augen zu führen:

Jesus Christus von Nazareth

Nun mögen ein Heinz-Christian Strache oder gar ein Peter Westenthaler vermutlich keine ausgesprochenen Cracks in Geographie sein, wir unterstellen aber mal, dass selbst diese Personen wissen, dass Nazareth nicht am Neusiedlersee liegt und auch nicht in der Nähe von Rom oder überhaupt irgendwo im so genannten Abendland.

Die Stadt Nazareth liegt ziemlich in der Mitte von Israel und wird zum großen Teil von israelischen Arabern bewohnt, eine echte Stadt des Morgenlands also!

Jesus oder Arafat

Jesu von Nazareth? Nein, das Bild zeigt den jungen Arafat

Christus selbst hat – Hollywood zum Trotz – mit einiger Sicherheit nicht ausgesehen, wie ein Zwillingsbruder von Mel Gibson. Weitaus wahrscheinlicher glich er eher dem jungen, charismatischen Jassir Arafat oder vielleicht auch König Abdullah II. von Jordanien.

Und – ohne die Diskussion darüber, ob Jesus nun eine neue Religion gründen oder nicht eigentlich das Judentum erneuern wollte, auszubreiten – unbestritten ist, dass er als Jude geboren wurde und auch als solcher gestorben ist.

Der langen Rede kurzer Sinn: die Religion, die Strache & Co glauben mit dem Kreuz in der Hand für das Abendland verteidigen zu müssen, wurde eben genau dort nicht sondern im Morgenland begründet und ihr Initiator und Namensgeber war ethnisch betrachtet ein Araber – genauer gesagt ein Semit – und religiös gesehen jüdischen Glaubens.

Wie kommt’s also, dass sich nun das Abendland kulturell mittels dieser arabisch-jüdischen Religion definiert?

Die Antwort ist klar: durch Migration – in diesem Fall durch deren aggressivster Variante in Form von Eroberung, Unterdrückung und Missionierung – sowie durch kulturelle und religiöse Synthese.

Denn, und auch das wissen wir allseits, das Weihnachtsfest am 24. Dezember, Ostern, Pfingsten, alles keine historischen Termine im Jahr. Im Neuen Testament steht nichts von Tannenbäumen und Weihnachtsmännern, kein Wort über Haasen, Nester oder Eier. All das sind Adaptionen der dereinst vorherrschenden Religionen und Bräuche aus der Zeit des nordwärts expandierenden Christentums.

Hätte es in jenen Tagen – sagen wir zwischen 500 und 1000 n.Chr. – Menschen wir Heinz-Christian Strache gegeben – oh, es hat sie gegeben, daran besteht kein Zweifel – aber hätte es solche gegeben, die mit ihrer Angst vor Veränderung Erflog gehabt hätten, so müsste die FPÖ Parole noch immer lauten: „Abendland in Keltenhand“

Natürlich, man mag bedauern, dass die Kultur und die Religion der Kelten oder auch der Gallier, der Sachsen oder der Pikten verschwunden sind. Die Nachfahren derer, die damals von dieser neuen Religion jüdisch-arabischen Ursprungs christianisiert wurden – durchaus nicht immer ohne Anwendung von Gewalt, sei bemerkt – diese Ur-Ur-Ur-Enkel jener, die dereinst vielleicht Papyrusplakate bemalten, mit Sprüchen wie „Vindobona darf nicht Ephesus werden“, sie scheinen so unglücklich gar nicht zu sein, mit ihrer neuen Kultur und Religion, wenn sie dieses nun doch gar so vehement verteidigen wollen.

Ganz offensichtlich schein das, was durch die Bewegungen von Völkern, also durch Migration und durch den Austausch zwischen Kulturen entsteht, gar nicht so furchtbar zu sein. Im Wahrsten Sinne des Wortes.

Wovor sich also fürchten? Vor einer „Heinz-Christianisierung“ hoffentlich nicht!

PS: weil’s irgendwie passt, hier noch zwei Interview-Empfehlungen:
„Goethe fände es funny“ (sueddeutsche.de) http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/966/182400/
“Hört auf mit dem Wahnsinn!” (spiegel-online) http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,626625,00.html

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