Aus immer aktuellem Anlass und da das Thema auf jeden Fall in die Serie “Neue Ideen” gehört, bringe ich an dieser Stelle noch einmal den Artikel zur Energiepolitik vom Februar dieses Jahres.
Neben so manchem Anderen, brauchen wir – und damit meine ich mal schlichterweise einfach die gesamte Menschheit – dringend eine neue Umweltpolitik, eine neue Klimapolitik, eine neue Energiepolitik!
Diese Sätze sind schon so oft ver- und gewendet, ge- und verbraucht worden, so oft durchgekaut, dass sie im wahrsten Sinne schon reichlich geschmacklos geworden sind. Ich verwende sie trotzdem!
Aber nur, um sie sofort zu widerrufen und zu sagen: bevor wir überhaupt über eine Umwelt-Klima-Energiepolitik reden, bevor wir immer und immer wieder, je nach Stimmungs- und Argumentationslage, erneut die neueste neue Energiepolitik ausrufen, sollten wir einen Schritt zurück treten und eine ehrliche Bestandsaufnahme machen. Gehen wir ganz zum Anfang: Der Mensch erfand das Feuer.
Und damit wurde er zum einzigen Lebewesen, dass Energie außerhalb des eigenen Körpers nutzt und verbraucht. Unglücklicherweise fand er Gefallen daran, gewöhnte sich an den gewärmten Pelz und wurde schließlich abhängig davon.
Egal wie weit sich die mittlerweile hochtechnisierte Menschheit im 21 Jahrhundert einzuschränken breit sein mag, ohne Energieverbrauch ist sie nicht mehr überlebensfähig. Punkt Eins.
Punkt Zwei: es gibt keine derzeit bekannte und realisierbare Art der Energiegewinnung, die nicht Auswirkungen auf unsere Umwelt hätte und die damit letztlich auch wiederum unser eigenes Leben gefährdet. Keine einzige!
Und Punkt drei: alle bisherigen Diskussionen darüber, welche Art der Energiegewinnung denn nun am schnellsten in den Weltuntergang führe und daher am dringlichsten auszumerzen sein, wurden entweder von Lobbygruppen mit Input versorgt oder sie wurden höchst emotional aus dem Bauch heraus geführt. Eine sachliche und wissenschaftliche Untersuchung dazu hat es meines Wissens noch niemals gegeben.
Apropos Wissenschaft, und damit noch mal zurück zu Punk zwei, denn ich sehe noch den Glanz des Widerspruchs in Ihren lesenden Augen. „Was ist denn mit den alternativen und regenerativen Energieformen?“ wollen Sie fragen, stimmt’s?
Genau an diesem Punkt setzt eine meiner größten Verwunderungen ein, über die menschliche – ja, was eigentlich – Einfältigkeit? Fähigkeit zur Selbsttäuschung? Manipulierbarkeit?
Erinnern Sie sich an die Sache mit dem „Biosprit“? Gefeiert, wie das berühmte Ei des Kolumbus. Verpflichtende Biosprit-Anteile für demokratische Verhältnisse geradezu blitzschnell in Gesetze gegossen, sogar gleich EU weit.
Ich will nicht neunmalklug klingen, aber ganz ernsthaft, habe ich mich von Anfang an gefragt, wo eigentlich der Clou beim Biosprit sein soll. Kohlenstoffhaltiges Material wird verbrannt, CO2 kommt in die Atmosphäre. Was sollte – mit Blick auf die Klimaerwärmung – daran besser sein, als beim Verbrennen von fossilem Material? Ich dachte eine Zeit lang, dass ich bei dem Begriff Biodiesel vielleicht etwas nicht verstanden hätte, dass der Denkfehler bei mir läge.
Irgendwann hörte ich dann zufällig einen Radiobeitrag zu dem Thema und da wurde es mir erläutert. Dass nämlich Biodiesel deswegen CO2-neutral sei, weil die dabei verbrannte Pflanze zuvor, beim Wachsen mittels Photosynthese dieselbe Menge CO2 aus der Atmosphäre entnommen habe.
Kaum gehört, war mir – wieder möge man mir die vermeintliche Besserwisserei verzeihen- klar, dass es sich hier um einen gewaltigen Irrtum handelte. Nicht klar hingegen war mir, wie es sein konnte, dass Armaden von sicherlich intelligenten Menschen, Wissenschaftlern, Politikern etc nochmals rund 18 Monate brauchten, um diesen Gedankenfehler auch zu verstehen. Dass nämlich diese CO2 Neutralität nur dann wirklich zutrifft, wenn die zu Biosprit verarbeiteten Pflanzen irgendwo wachsen, wo zuvor keine Pflanze gewachsen ist. Also zum Beispiel in Wüsten, auf Hausdächern oder Autobahnen usw.
Sobald aber irgendeine Pflanze nicht mehr wächst, weil nun dort ein Biodieselgewächs angebaut wird – und dabei ist es ganz egal, ob wir auf Lebensmittel, Futtermittel, Zierpflanzen oder Gänseblümchen zu Gunsten von sprit-Soja oder Diesel-Hanf verzichten – in diesem Moment ist es jedenfalls vorbei mit der vermeintlichen CO2 Neutralität. Weil dann eben genau doch zusätzlicher Kohlenstoff verbrannt wird, der ansonsten entweder in der Nahrungskette oder innerhalb der Pflanze, zum Beispiel eines hundert Jahre lang wachsenden Baumes oder im Verrottungs- und Humusbildungsprozess langfristig gebunden wäre.
Dass die Menschheit noch viel dummdreister ist und sogar anfangen würde für das kurze Glück von ein paar Tropfen Biopetroleum den größten C02 Speicher den wir auf der Erdoberfläche besitzen, nämlich den tropischen Regenwald, noch forcierter abzuholzen, so weit ging allerdings selbst meine Vorstellungskraft nicht, als ich den erkenntnisreichen Radioreport gehört hatte.
Es blieb die Frage, warum besagte Herscharen von Wissenschaftlern, Entwicklern und Politikern nicht in der Lage sind, ein einziges Mal einen Schritt weiter zu blicken, als bis zum unmittelbar nächsten.
Und es geschieht wieder. Denn in ihren immer noch widersprechenden und Grünen-geschulten Leseraugen sehe ich ja noch triumphierend die Begriffe „Windkraft“, „Gezeitenkraftwerke“ oder „Wassserstoffantrieb“ lodern.
Es tut mir ja leid. Aber es ist überall das Gleiche. Nehmen wir die Windkraft. Ich liebe Windparks. Sie sind für mich immer wieder ein erhabener Anblick, der mich mit Stolz und Sehnsucht erfüllt, wie vergleichbar dereinst einen Seefahrer der Blick auf einen Viermaster hart am Wind. Aber trotzdem, auch hier weiß ich wieder nicht, warum noch niemand wirklich deutlich auf die Schattenseiten hingewiesen hat.
Im November 2008 habe ich erstmals eine winzige Notiz in einer Spiegel-Ausgabe gesehen, die angemerkt hat, dass Wissenschaftler errechnet hätten, dass große Windparks zu Turbulenzen und Störungen innerhalb der Luftströmungen führen könnten, deren Folgen noch nicht abzusehen seien.
Ach was? Jetzt mal im Ernst: wenn wir zum Beispiel vor der Küste Norddeutschlands geradezu babylonische Türme ins Wasser pflanzen, mit gigantischen Rotorblättern, und derer hunderte, glaubt wirklich irgendjemand, das bliebe ohne Folgen?
Was wollen wir denn mit diesen Dingern anfangen? Richtig: Energie gewinnen! An dieser Stelle sei angemerkt, dass der Begriff „Energiegewinnung“ an sich schon eine Irreführung ist. Es gibt da nämlich – einigen Gelehrten wird das geläufig sein – so etwas, wie ein Naturgesetz. Man nennt es trefflicherweise Energieerhaltungssatz. Soll heißen, Energie geht weder verloren noch wird sie gewonnen, sie wandelt nur ihre Form. Wenn wir nun also mittels dieser phantastischen Windmühlen Energie in unsere Stromnetze bekommen, dann folgt daraus unweigerlich, dass diese Energie irgendwo entzogen wurde. In diesem Falle der Luft.
Ich bin kein Wissenschaftler, aber das braucht man, glaube ich, auch nicht zu sein, um sich vorstellen zu können, dass, wenn man den Luftströmungen, die ja ein sehr komplexes und noch bei weitem nicht grundlegend erforschtes System bilden, auf großer Front Terrawattweise Energie entzieht, dies irgendwelche Folgen haben muss.
Die Luftmassen werden langsamer. Sie werden weniger weit kommen. Im angesprochenen Fall der Offshore Parks an der Nordseeküste hieße das zum Beispiel, dass die Luft Feuchtigkeit weniger weit ins Landesinnere tragen kann. Trockenheit und Dürren könnten die Folge sein. Vielleicht in Niederbayern, vielleicht auch erst in der Ukraine. Wäre es nicht angebracht, sich darüber ein paar Gedanken zu machen, bevor man anfängt einen Windschutzwall zu bauen, der in seiner Wirkung einem kleinen Alpenzug entspricht – nicht umsonst gelten Alpen hinlänglich als Wetterscheide.
In Wahrheit ist es so, dass man sich kaum einen unmittelbareren Eingriff in das komplizierte Klimasystem des Planeten vorstellen kann, als Windkraftwerke.
Oh doch, ein ähnlich dramatischer und direkter Eingriff fällt mir gleich ein: Gezeitenkraftwerke.
Sie kennen vielleicht die schönen wissenschaftlichen „was wäre wenn“ Spielchen: zum Beispiel, die Erde ohne Mond. Diese Untersuchungen sorgen doch immer wieder für wohliges Sci-Fi Schaudern bei intellektuell geprägtem Smalltalk.
Kurz zusammengefasst, eine Erde ohne Mond wäre ziemlich sicher unbewohnbar. Unter anderem, weil dann die Gezeiten fehlen würden, die wiederum mit der ganzen Wucht der Meeresmassen bremsenderweise dafür sorgen, dass sich unsere Erdkugel vergleichsweise langsam um ihre Achse dreht, was wiederum zur Folge hat, dass uns nicht permanent die Atmosphäre mit Geschwindigkeiten von mehreren Hundert oder gar Tausend Km/h um die Ohren saust. Ein Umstand, der sich für die Entwicklung von Leben auf diesem Planenten als äußerst hilfreich erwiesen hat.
Und jetzt gehen wir her und fangen an, die Gezeiten auszubremsen. Gute Idee?
Was war da noch? Ach ja, der Wasserstoffantrieb. Ganz tolle Sache. Als Rückstand nur Wasser und Sauerstoff. Keine Klimagase. Perfekt.
Schade nur, dass es auf der Erde keinen ungebundenen Wasserstoff gibt!
Er muss mittels Elektrolyse aus Wasser gewonnen werden. Ein äußerst energieintensives Verfahren. Autos mit Wasserstoff anzutreiben hieße folglich lediglich, den schädlichen Energieverbrauch von der Straße weg in Kraftwerke zu verlegen.
Oh, ich sehe, sie setzen immer noch zu Widerspruch an. Und diesmal mit ultramodernem Hi-Tech-Wissen, ja? Algenarten, die in der Lage sind, in einer Art alternativer Photosynthese Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zu trennen. Das wollten sie mir jetzt entgegenschmettern, hab ich recht?
Gut, gut. Sagen wir, das funktioniert. Woher kommt das Wasser? Aus den Ozeanen, ist ja genug da, sagen wir mal. Und dann? Dann verfrachten wir Wasserstoff – alle technischen Probleme, wie den Umstand, dass dieser auf unter Minus 200 Grad abgekühlt sein muss, um flüssig zu sein, lassen wir mal als lösbar dahin gestellt – wir schaffen also Abermillionen Tonnen von Wasserstoff in die industrialisierten, Auto fahrenden Gegenden dieser Welt, zum Beispiel nach Europa. Und dort machen 200 Millionen Kraftfahrzeuge, aus Sauerstoff, der ja netterweise gratis in der Luft rumhängt, und aus diesem biologisch erzeugten Wasserstoff nichts weiter als harmloses Wasser.
Abermillionen Tonnen von Wasser. Abermillionen Tonnen von Wasser, das eigentlich in den Ozeanen sein sollte…..
Ich muss das jetzt nicht weiter ausführen, oder? Dazu sollte die Phantasie reichen.
Wie? Sie geben immer noch nicht auf? Was denn noch? Oh! Wie konnte ich das übersehen: Sonnenenergie. Natürlich, grenzenlos, verfügbar – jüngsten Berechnungen nach jedenfalls noch mindestens 5 Milliarden Jahre lang, damit kommen wir für’s erste durch.
Nanu, ich sehe, Ihr Siegerlächeln gefriert? Gratuliere! Willkommen im Klub derer, die zwei Schritte weit denken können.
Völlig richtig: Die Sonnenenergie, die auf der Erdoberfläche ankommt tut zweierlei Dinge: sie wärmt die Erdoberfläche und sie wird reflektiert und erwärmt dabei die Atmosphäre.
Und nun stellen wir gigantische Photovoltaikflächen auf. Am besten auf jedes Hausdach welche. Und damit holen wir uns die Sonnenenergie. Was bedeutet, dass sie nicht mehr, oder nur verringert, die Erdoberfläche erwärmt und nicht mehr oder weniger reflektiert wird.
Was das bedeutet? Das weiß ich nicht. Das weiß vermutlich niemand, weil sich noch niemand darum gekümmert hat.
Und genau darum geht es!
Bevor wir uns die Köpfe wahlweise darüber zerbrechen oder einschlagen, ob nun Atomkraft oder Windenergie, Kohle, Gas oder Sonne Heil oder Hölle sind, sollten wir einfach mal die klügsten Köpfe zusammen trommeln und eine ehrliche, vergleichende und nachhaltige Analyse machen lassen.
Da könnte dann zum Beispiel – stark vereinfacht – drin stehen:
Atomkraft: Risiken: eines von 10.000 Kraftwerken fliegt in die Luft, dabei sterben durchschnittlich 150.000 Menschen und es wird im Schnitt ein Areal von der Größe Hessens auf 10.000 Jahre hin unbewohnbar. Die hochstrahlenden radioaktiven Abfälle können – egal wie – höchstens zu 93,7623% sicher verwahrt werden, was bedeutet, dass statistisch pro Gigawatt jeweils 1,23 Strahlentote durch Spätfolgen wie Krebs etc hinzukommen. Vorteile: keinerlei klimaschädliche Abgase.
Kohlekraftwerk: Risiken: statistisch steigt pro Gigawatt die Durchschnittstemperatur der Atmosphäre um 1 Mikrograd in 10 Jahren und somit u.a. der Meeresspiegel um 1 Mikrometer pro Gigawatt. Statistisch umgelegt heißt dass, dass – Wirbelstürme und Springfluten eingerechnet – pro Gigawatt 0,98 Menschen sterben. Spätfolgen wie z.B. Krebs erregt durch Feinstaub etc. eingerechnet liegt die Sterblichkeit bei ca 1,14 Menschen pro Gigawatt. Vorteile: die Sterblichkeit ist weltweit und über lange Zeiträume verteilt, was sie weniger dramatisch erscheinen lässt. Weiterer Vorteil, vergleichsweise billig.
Windkraft: Risiken: statistisch verdorren pro Gigawatt Stromerzeugung in mittleren Kontinentallagen 1,476 Hektar Ackerfläche. Ertragssteigerungen durch Zunahme von Intensivanbau eingerechnet wird dies die Hungersterblichkeit weltweit um 0,69 Menschen pro Gigawatt steigern. Durch zunehmende Wasserknappheit in inneren Kontinentallagen werden kriegerische Handlungen zunehmen. Zu erwarten ist eine Sterblichkeit von ca 0,21 Personen je Gigawatt Windstrom. Vorteile: vorerst keine Ressourcenbegrenzung, sofern Änderungen der Luftströmungen durch die Beeinflussungen von vornherein eingeplant werden, so dass die Windanlagen darauf flexibel reagieren können.
Und so weiter…
Wie zuvor hoffentlich nachvollziehbar dargelegt, wird es in dieser Analyse keine Energiegewinnungsart ohne den ernstzunehmenden Punkt „Risiko“ geben. Aber das wäre dann wenigstens einmal ein solides Dokument anhand dessen man sich zusammen setzen könnte und ausbaldovern, mit welchem Mix aus den vorhandenen Möglichkeiten, sich der unverzichtbare Bedarf an Energie mit dem geringsten Risiko decken lässt und sich die ebenfalls unvermeidbaren Schäden dabei möglichst in Grenzen halten.
Und man könnte auf diese Schäden von vornherein eingehen und ihnen prophylaktisch entgegen wirken, anstatt mit erstaunten und entsetzten Augen, immer erst dann, wenn sie mit meist katastrophaler Wucht eingetreten sind.
Ein solches Vorgehen, erst eine kritische, gründliche und ehrliche Analyse, dann darauf basierende Entscheidungen, unbeeinflusst von allen Lobbygruppen, das würde dann wahrhaft das Prädikat „neue Umwelt-, Energie- und Klimapolitik“ verdienen.
Ihre Meinung?


