Hantigk ohne O

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„Haste ma’ ne Muschl?“, oder was Opel und Papua-Neuguinea gemeinsam haben könnten

Geschrieben von hantigkohneo - 22. Juni 2009

Papua-Neuguinea kennt neben dem „Kina“ als gesetzliches Zahlungsmittel auch das traditionelle Muschelgeld der einheimischen Bevölkerung. Dessen Gebrauch wird von einigen Provinzregierungen aktiv gefördert. Auch wenn es eher archaisch klingt, die grundsätzliche Idee dahinter könnte zu einem wirkungsvollen Instrument einer modernen Wirtschaftspolitik entwickelt werden.

opel-muschelEine gute Gelegenheit Innovation in politisches Handeln einfließen zu lassen, böte die aktuelle Wirtschaftskrise und die damit einhergehende Frage nach staatlichen Rettungsmaßnahmen, wie unlängst im Fall Opel oder in Sachen Arcandor, Schäffler usw.

Die große Sorge z.B. bei der Opelproblematik war ja, dass Gelder, die der deutsche Staat zuschießt, vor allem in den leeren Kassen des US-amerikanischen Mutterkonzerns General Motors landen könnte. So wie in solchen Fällen grundsätzlich – und durchaus nicht zu unrecht – befürchtet wird, dass von der öffentlichen Hand gewährleistete Liquidität letztendlich in den Taschen von vermeintlichen Investoren und Rettern landet, die – eventuell nach einer gewissen Schamfrist – das jeweilige Unternehmen dann doch filetieren und Stückweise wieder veräußern, nachdem sie sich die Übernahmen mit Hilfe der Barbestände der Vereinnahmten refinanziert haben.

Als bislang einzige Antwort auf dieses Risiko für den Steuerzahler erklingt bislang stets – einem 150 Jahre alten Echo gleich – der Ruf nach Verstaatlichung der zu rettenden Betriebe oder Konzerne. Ein eigentlich schon überwunden geglaubter Klang, der jedoch eine erstaunliche Renaissance erlebt und der immer wieder die Augen der Mitglieder „linker“ Flügel aller Parteien sowie vieler Staatsdiener zum Leuchten bringen kann.

Unverständlicherweise: bedeutet Verstaatlichung doch nur, dass sich das Risiko in der Folge nicht nur auf einmal zugesagte Hilfsbeträge beschränkt, sondern dass die negativen Ergebnisse jener Firmen auf unabsehbare Zeit von der Allgemeinheit zu begleichen sein werden. Schnelle Sanierungserfolge sind ja nicht unbedingt kennzeichnend für öffentliche Eigentümer und das Hoffen auf ein Konjunkturwunder kann man wohl kaum ernsthaft als aktive, seriöse und kreative Politik bezeichnen.

Eine Idee, die sich ebendiese Attribute verdienen könnte, wäre eventuell das folgende Konzept, welches bislang eher mit Förderprogrammen zumeist ländlicher Regionen oder mit Entwicklungsinitiativen der Dritten Welt verbunden wird. Anwendungsgebiete, in denen der Gedanke bereits erfolgreich umgesetzt werden konnte.

Intelligent eingesetzt steckt aber mit Sicherheit noch weitaus größeres Potential darin. Die Rede ist von Komplementärwährungen.

Eine komplementäre Währung ist, vereinfacht gesagt, ein Zahlungsmittel, auf das sich eine Gemeinschaft – das kann ein Unternehmensverband ebenso sein, wie eine Ortsgemeinde oder die Mitglieder eines Vereins – verständigt, ohne dabei die eigentliche, offizielle Währung zu verdrängen. Ergänzend, komplementär eben.

Beispiele für komplementäre Währungen sind u.a. das Eingangs erwähnte Muschelgeld der Tolai, einer Bevölkerungsgruppe in Papua-Neuguinea, oder der Bethel-Euro, der den Einkauf in den von Bodelschwinghschen Anstalten Bethel erlaubt. In den Regionen Chiemgau, Ainring, Pfaffenhofen, Göttingen, Witzenhausen, Gießen, Hagen, Schopfheim, Siegen, Berlin, Düsseldorf, Dresden, Kamenz, Zwönitz, Hitzacker, Neustadt (Dosse) und Schleswig-Holstein gibt es so genannte Gutscheinringe, denen sich alle Verbraucher und Gewerbetreibende anschließen können, mit dem Ziel die regionale Wirtschaft zu beleben. Und 1932/33 brachte die österreichische Stadt Wörgl eine eigene Komplementärwährung in Umlauf,  ein Experiment das später als das „Wunder von Wörgl“ bekannt wurde.

Die Vorteile von Komplementärwährungen liegen – auch das mag wieder paradox klingen – genau in ihren Beschränkungen. Dadurch, dass sie keine allgemeine und uneingeschränkte Gültigkeit haben, kommen sie dem ursprünglichen Sinn eines Zahlungsmittels, nämlich den indirekten Tausch von Waren und Dienstleistungen zu ermöglichen, wieder weitaus näher, als die offiziellen Währungen, die im Rahmen des weltweiten Finanzwesens längst ein Eigenleben entwickelt haben, das sich, wie man unlängst erst beobachten und bestaunen konnte, von der „realen“ Wirtschaft zum großen Teil entkoppelt hat.

So besteht zum Beispiel kaum ein Anreiz komplementäre Geldscheine zu „sammeln“, also anzusparen, wenn sich mit diesen „nur“ landwirtschaftliche Produkte einer bestimmten Gegend in Bayern erwerben lassen. Es sei denn, man spekuliert darauf, dass die Menschen irgendwann süchtig werden, nach Eiern und Käse aus dem Allgäu, oder ähnlichem.

Dadurch bleibt das „Ergänzungsgeld“ aktiv und vergleichsweise zügig in Umlauf. Zudem lässt sich die Gruppe derer relativ genau definieren, die von dieser zusätzlichen Liquidität profitieren sollen, da sich diejenigen, die eine Komplementärwährung nutzen, dazu klar deklarieren müssen. Gleiches gilt für die Waren oder Dienstleistungen, die mit den parallelen Zahlungsmitteln zu bekommen sind und die sich entsprechend der Zielrichtung eines solchen Projektes eingrenzen lassen.

Oder anders gesagt, der Weg des Geldes kann in diesen Fällen sehr genau determiniert und beobachtet werden.

Wie sich dies wirtschaftspolitisch effektiv anwenden ließe, soll im Folgenden exemplarisch am Fall Opel kurz umrissen werden:

Die Republik druckt und besichert gemeinsam mit den durch Opelwerksstandorte betroffenen Bundesländern eine Milliarde „Opel-Euro“ und stellt diese der Adam Opel GmbH als Liquiditätsbrücke zur Verfügung.

Personen oder Unternehmen der folgenden Gruppen können den „Opel-Euro“ freiwillig als Zahlungsmittel anerkennen: Opelmitarbeiter und –zulieferer sowie wiederum deren Mitarbeiter, regionale Handels- und Dienstleistungsbetriebe, Mietgeber und z.B Energieversorger.

Auf diese Weise wird zum einen ausgeschlossen, dass die gewährten Hilfsgelder in die USA abfließen, denn dort ließe sich mit dieser Währung gar nichts anfangen, und andererseits wird dabei auch ein starker Impuls in die regionale Wirtschaft gegeben, verbunden mit großem öffentlichen Interesse und einem entsprechenden Imagegewinn, den eine solche Aktion für die teilnehmenden Betriebe bringt.

In einem weiteren Schritt lassen sich dann zusätzliche Hebel und Anreize schaffen. Z.B. in dem die Opelwährung mit einer gewissen Wertsteigerung versehen wird, wenn sie für bestimmte – beispielsweise ökologisch sinnvolle – Ausgaben genutzt wird.

Den entsprechenden Anbietern – sagen wir vielleicht Herstellern von Wärmepumpen für energiesparendes Heizen o.ä. – wird zu diesem Zweck ermöglicht, die „Opel-Euro“ bei ihrer Hausbank in reguläre Euro zu wechseln, wobei sie z.B. einen bestimmten Prozentsatz mehr ausbezahlt bekommen, als der Nennwert der eingetauschten „Opel-Euro“ beträgt. Vorausgesetzt, es wurde nachweislich die Hälfte dieses Bonusanteils dem jeweiligen Kunden als Nachlass gewährt. Auf diese Weise ergibt sich daraus ein Benefit für alle beteiligten. Dies nur als ein Beispiel, wie ergänzend Anreize geschaffen werden könnten.

Nun werden kritische Zeitgenossen zweifellos einwerfen, dass der zusätzliche Verwaltungsaufwand für ein solches Komplementärwährungsprojekt sehr groß wäre. Das ist sicherlich auch nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen, gilt allerdings mit einiger Wahrscheinlichkeit ebenso für ein „traditionelles“ Rettungsprogramm, wie jenes, das gerade tatsächlich für Opel auf den Weg gebracht wurde. Allein die Armada hochkarätiger Anwälte, die jetzt über den entsprechenden, internationalen Verträgen brütet, dürfte dem Bund ein ganz erklägliches Sümmchen in Rechnung stellen.

Zudem muss zusätzliche Arbeit, so sie denn sinnvoll ist – gerade in Zeiten, in denen ein signifikanter Anstieg der Arbeitslosigkeit zu befürchten ist – ja nicht per se negativ sein.

Ein weiteres „Aber…“ könnte mit Blick auf die Europäische Union eingebracht werden. Ob ein derartiges, groß angelegtes Konzept einer zielgerichteten Komplementärwährung mit allen Wettbewerbsregeln der Gemeinschaft konform geht, ist natürlich schwer abzuschätzen, es darf aber grundsätzlich bezweifelt werden.

Was jedoch nicht heißen darf, dass man aus diesem Grund solche Maßnahmen gleich in vorauseilendem Gehorsam gar nicht erst weiter denken soll. Ganz im Gegenteil! Viel zu oft dient der Verweis auf Brüssel als bequeme Ausrede, um ungewöhnliche, neue oder einfach nur relativ arbeitsaufwendige Unterfangen gleich schon im Keim zu ersticken. Das schadet dem Image der Union gewaltig und entspricht dabei in keiner Weise ihrer eigentlichen Idee, eben genau größere und vor allem innovative Projekte voranzubringen.

eurogluehbirne-schraegUnd wenn bestimmte Regeln – die sicherlich aus Sinn machenden Gründen erstellt wurden – neuen, intelligenten Ideen entgegenstehen, dann muss darüber eben verhandelt werden. Schließlich sind die Marktregeln der EU keine göttlichen Gesetze, die in Stein gemeißelt wären. Die Europäische Union ist letztlich auch nur ein Verein. Und wenn sich die Mitglieder eines Vereins mehrheitlich einig sind (liebe Tschechen, liebe Iren, an dieser Stelle eine aus tiefstem Herzen kommende Fürbitte: Lissabon-Vertrag – jetzt! – bitte! Danke, thanks, tekujem!), dann steht konstruktiven Veränderungen nichts im Wege.

Der Fall Opel und die aktuelle Wirtschaftskrise sind natürlich nur ausgesuchte Exempel. Komplementärwährungen könnten in vielen Bereichen als treffsichere Maßnahme eingesetzt werden, sei es bei Städteentwicklungen, bei Themen der Energieeffizienz und der CO2-Reduktion, im Gesundheits- und im Bildungswesen oder in der Kulturpolitik. „You name it“, wie der Angelsachse zu sagen pflegt.

Und viele dieser Möglichkeiten müssten dabei nicht einmal unbedingt von Vater oder Mutter Staat gesetzt und initiiert werden. Die gern und häufig zitierte Zivilgesellschaft wäre in diesem Bereich ganz eigenständig zu vielem in der Lage.

Gäbe es eine Vielzahl von regionalen oder auf bestimmte Zielgruppen ausgelegte Komplementärwährungsprojekte so wäre ein willkommener „Nebeneffekt“, dass dadurch auch die Abhängigkeiten von den offiziellen Währungen und deren Unwägbarkeiten – siehe Finanzkrise – verringert und zugleich die Idee eines „Europas der Regionen“, evtl. sogar einer „Welt der Regionen“, spürbar vorangebracht würde.

Natürlich steckt wie so oft, der Teufel im Detail. Aber das war ja bekanntlich auch bei der Glühbirne schon so.

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The Change: das Ende der Krise

Geschrieben von hantigkohneo - 23. Februar 2009

Eine pre-historische Fiktion

Die folgenden, frei erdachten historischen Begebenheiten möchte der Autor als Anregungen zu einer Diskussion auf mehreren Ebenen gelesen wissen. Zum einen über die potentielle Machbarkeit und die Erfolgsaussichten des Beschriebenen, zum anderen aber vor allem über die moralischen und ethischen Fragen und Konsequenzen, die sich aus dem – noch nicht – Geschehenen ergäben.

Es sollte bis Mitte der 60er Jahre des 21. Jahrhunderts dauern, ehe aus den vielen Gerüchten und Legenden, die seit Jahrzehnten kursierten und in regelmäßigen Wellen wieder vermehrt an die öffentliche Oberfläche gespült wurden, eine Rekonstruktion der Ereignisse gelang, die allgemein als der Wahrheit sehr nahe kommend anerkannt wurde.

Dem „ Online-Reflektor“, jenem kleinen aber sehr renommierten Nachfolger des 2018 in Konkurs gegangenen deutschen Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“, gelang es als erstem Medium, ausreichend Aussagen von Zeitzeugen, geheime Unterlagen und zum Teil private Aufzeichnungen zusammen zu tragen, um der Welt einen neuen Blick auf sich selbst zu ermöglichen, den die meisten als unmöglich betrachtet hätten.

Für große Teile der Bevölkerung war die Titelstory, die am 9. Oktober 2069, also auf den Tag genau 60 Jahre nach dem fortan legendären „BlackBerry Day“ erschien, ein Schock. Ausgerechnet die Gewissheit dessen, was bislang nur geahnt wurde, bedeutete für viele Menschen geradezu einen Realitätsverlust, dessen Folgen bis heute kaum abzusehen sind. Denn die Geschichtsschreibung und –forschung musste für große Teile des 21. Jahrhunderts nach neuen Quellen suchen.

Kapitel 1 „BlackBerry“

Es war jener 9. Oktober des Jahres 2009, an dem sich der damals wohl bekannteste BlackBerry-Besitzer der Welt mit ebendiesem Gerät an einen stillen, wie auch abhörsicheren Ort begab.

Lange wurde gerätselt, wie es Barack Obama gelungen war, alle Sicherheitsvorkehrungen zu unterlaufen und zu verhindern, dass Aufzeichnungen der von ihm geführten Gespräche gemacht wurden, ja, dass diese Anrufe überhaupt unbemerkt bleiben konnten. Malia Obama, die älteste Tochter des noch immer von weiten Teilen der Bevölkerung hoch verehrten Präsidenten, lüftete dieses Geheimnis bei einem vertraulichen Gespräch mit „Reflektor“ Redakteurin Jakoba Weisberg-Sintao im Sommer 2069 in Shanghai, am Rande eines UN Umweltgipfels. Die Antwort auf diesen Teil des Rätsels war beinahe enttäuschend banal.

Eine Freundin hatte der damals 12 jährigen Malia ein BlackBerry der Rihanna-Sonderedition geschenkt und diese Präsent hatte offenbar niemand im Weißen Haus zur Kenntnis genommen. Bis auf ihren Vater. Und Barack Obama hütete dieses Geheimnis. Wie sich herausstellte, als seine höchstpersönliche, elektronische Geheimtür, heraus aus dem Zentrum der Macht, in die Welt.

Diejenigen, die den Präsidenten persönlich gekannt hatten, sind fast durchwegs davon überzeugt, dass es weder jugendlicher Übermut, noch präsidiale Hybris waren, die den ersten schwarzen Chef im Weißen Haus dazu veranlasst hatten, an diesem 9. Oktober mit ein paar Dutzend Telefonaten nicht nur die „Hausordnung“ der Villa an der Pennsylvania Avenue zu unterlaufen, sondern gleich eine ganze Reihe  geschriebener und ungeschriebener Grundlagen, sowohl der amerikanischen Gesellschaft als auch großer Teile der so genannten freien Welt.

Es war wohl auch nicht Sorge um die eigenen Umfragewerte, die ihn antrieb. Diese waren trotz anhaltender und sich weiter verschärfender Wirtschaftskrise immer noch ausgezeichnet. Die Menschen hatten den Glauben an ihn noch nicht verloren, aber Obama wusste, dass dies über kurz oder lang geschehen würde, und dass er handeln musste, solange er sich des Rückhaltes in der Bevölkerung noch weitgehend sicher sein konnte.

Die milliardenschweren Rettungs- und Hilfspakete hatten bislang kaum Wirkung gezeigt, der Staat war am Rande seiner Handlungsfähigkeit angelangt und die Abwärtsspirale aus pessimistischen Erwartungen, fallenden Börsenkursen, Massenentlassungen und immer weiteren Umsatzeinbrüchen, drehte sich mit schier unaufhaltsamer Eigendynamik immer weiter und tiefer nach unten.

Dem Präsidenten war klar, dass sich sein Zeitfenster für eine Wende der Dinge mit jedem Tag weiter verkleinerte.

Es ist nicht überliefert, wie sich der mächtigste Mann des Planeten dabei gefühlt hatte, während er die, größtenteils privaten Telefonnummern, die er nun eine nach der anderen wählte, über mehrere Wochen hinweg heimlich eruiert und gesammelt hatte. Genauestens darauf achtend, dass niemand, nicht einmal seine Frau oder seine engsten Mitarbeiter, etwas davon merken würden. Vielleicht musste er sogar insgeheim ein wenig lächeln. Ein US Präsident als einsamer Privatdetektiv.

Bei den Gesprächen mit den Personen auf seiner top-secret Liste dürfte er eher nicht gelächelt haben. Zu wichtig waren diese Unterredungen und viel zu weit reichend die Folgen, wenn auch nur einer der Angewählten weitererzählt hätte, was ihnen Barack Obama jeweils eröffnete, oder gar gleich an die Öffentlichkeit damit gegangen wäre.

Eine von Obamas schlagkräftigsten Waffen war von jeher seine entwaffnende Offenheit im persönlichen Gespräch. Und es dürfte genau diese Offenheit gewesen sein, die ein solches Worst-Case-Szenario verhindert hatte. Seine Gesprächspartner waren denn auch durchwegs überwältigt von dem Vertrauensvorschuss, den ihnen der Präsident entgegenbrachte, indem er jeden vom ihnen theoretisch in die Lage versetzte, nicht nur seinen Plan zu durchkreuzen, sondern in letzter Konsequenz auch seine Präsidentschaft jäh zu beenden und ihn, den Hoffnungsträger der Nation, eventuell sogar direkt vom Oval Office in eine Zelle einer staatlichen Verwahrungsanstalt zu befördern.

Natürlich hatte Obama in Gedanken mehrere Exitstrategien durchgespielt. Vom klassischen, totalen Dementi über einen Test der Vertrauenswürdigkeit einiger der wichtigsten Institutionen des Landes bis hin zu einem verspäteten Aprilscherz, der ihm, im Angesicht der großen Belastungen, ein wenig überzogen geraten wäre.
Er war zu dem Schluss gekommen, dass keiner dieser Notfallpläne plausibel und realistisch war und dass vor allem keiner davon seinen Ansprüchen sich selbst gegenüber genügt hätte. Im Falle X, so war sein Entschluss, müsste er sich den Dingen, die dann auf ihn zu kämen, so stellen, wie es die Situation verlangen würde. Es sollte nicht dazu kommen.

Obamas unfreiwillige Konspirationspartner waren bei weitem nicht alle sofort Feuer und Flamme. So manches dieser Telefonate an diesem Tag zog sich über mehr als eine Stunde. Es waren zum Teil heftige und intensive Diskussionen, war doch jeder der Angesprochenen gezwungen, einen tief greifenden Diskurs mit sich und seinem Gewissen auszufechten. Fast alle baten sich Bedenkzeit aus.

Es müssen lange und quälende Stunden gewesen sein, für den in dieser Zeit wahrscheinlich einsamsten Präsidenten, den die Vereinigten Staaten je hatten.

Es ist bis heute nicht zur Gänze geklärt, wer alles zu dieser Runde der präsidialen Verschwörer gehörte. Von einigen ist es mittlerweile bekannt und gesicherte Erkenntnis. Bei einigen Personen liegt die Vermutung nahe, ob dessen, was in der Folge von den ihnen jeweils unterstellten Institutionen publiziert wurde. Eine immer wieder schwankende Anzahl will dabei gewesen sein, kann dies aber nicht restlos überzeugend glaubhaft machen, so dass in diesen Fällen wohl meist von persönlicher Mythenbildung auszugehen ist.

Kapitel 2 „Die Legende der Holzfäller“

Es begann mit einer eher unscheinbaren Meldung der obersten US Arbeitsmarktbehörde am 20. Oktober 2009. Im dritten Quartal des Jahres, so die unprätentiöse Verlautbarung, sei die Arbeitslosigkeit erstmals seit fast zwei Jahren nicht weiter angestiegen. Mann wolle keine Illusionen aufkommen lassen, aber die Möglichkeit sei nicht auszuschließen, dass die Talsohle auf dem Arbeitsmarkt eventuell erreicht sein könnte. Im holzverarbeitenden Gewerbe in den nördlichen Bundesstaaten sei sogar eine spürbare Nachfrage nach neuen Fachkräften verzeichnet worden.

Es schien, als hielte das ganze Land den Atem an.

In die fast gespenstische Stille auf den Fluren der Wirtschaftsredaktionen, der Ratingagenturen und in den Spielhallen an der Wall-Street hinein, entsandte fünf Tage später das Statistikamt eine Nachricht. Landesweit seien im vorangegangenen Monat die Zwangsversteigerungen überschuldeter Immobilien im Durchschnitt um fast 15 % zurückgegangen. Der Maklerverband in Arkansas ließ in einer Aussendung verlautbaren, seine Mitglieder hätten eine Belebung der Nachfrage festgestellt. Was bedeutete, dass es zum ersten Mal seit 30 Monaten überhaupt eine Nachfrage nach Immobilien gegeben hätte.

Sensible Gemüter glaubten ein angespanntes Zittern im Land zu vernehmen, als Benjamin D. Stroke, der erst kurz zuvor neu bestellte Konkursverwalter von General Motors, mittlerweile bereits der dritte in dieser Funktion, zu einer überraschend anberaumten Pressekonferenz lud.

Umfragen unter den 500 größten GM Händlern im Land hätten ihn veranlasst, die an sich bereits beschlossene Schließung des zweiten Hauptwerkes in Detroit zunächst um drei Monate zu verschieben. Nachdem der Öl- und Benzinpreis auf das niedrigste Niveau seit Begin des Jahrtausends gesunken sei, gäbe es Indizien, die auf eine vorsichtige Steigerung bei Neuwagenverkäufen hindeuten könnten.

„Vorsichtig“ war in den folgenden Tagen und Wochen eine der meist verwendeten Vokabeln. „Vorsichtig optimistisch“ waren Presseaussendungen, Zeitungskommentatoren und Veröffentlichungen von Meinungsforschungsinstituten und Thinktanks.

Welche und wie viele davon auf direkte Anregung des Präsidenten gefälscht und welche nur Mitläufer waren, um den Zug nicht zu verpassen, lässt sich aus heutiger Sicht nicht mehr eindeutig rekonstruieren. Es wird vermutet, dass zirka ab der vierten oder fünften Woche nach der „Legende der Holzfäller“, wie die erste Meldung der Arbeitsstatistiker bis heute genannt wird, bereits auch echte Meldungen positiven Inhalts dabei waren. Zum Teil Meldungen, die es auch zuvor schon gegeben hätte, die aber zurückgehalten wurden, sei es weil Jubel in der allgemeinen Depression als unschick galt, sei es, um nicht Chancen auf Staatshilfen zu vergeben, sei es um kein Frühstarter zu sein, dem dann, wenn die Rallye losginge, vorzeitig die Luft ausginge.

Obama hatte solch ein Unterdrücken von  guten Nachrichten oft vermutet und sich besonders darüber geärgert. Es mag darin sogar die Keimzelle für seinen Plan gelegen haben.

Kapitel 3 „Xi Jinping“

Wie raffiniert, aber auch wie geradezu dreist und fast tollkühn der amerikanische Präsident seine Konspiranten ausgewählt und mit diesen die initiierenden Meldungen zur Trendwende erfunden hatte, zeigt sich bei genauerem Hinsehen.

Eine verarbeitende Holzindustrie hatte es zum Zeitpunkt jener ersten Nachricht in messbarem Umfang bereits nicht mehr gegeben. Der letzte entsprechende Unternehmensverband war ein halbes Jahr zuvor Mangels Mitgliedern aufgelöst worden. So gab es denn auch niemanden, der die Verlautbarung des Arbeitsamtes hätte überprüfen oder öffentlich anzweifeln können.

Als besonders gewagt gilt, dass Obama mit Benjamin D. Stroke einen als öffentlichen Masseverwalter bestellten Bundesrichter mit in sein neues „Change-Team“ aufgenommen hatte. Ein hohes Risiko. Aber er hatte die Wirkung, die dessen unerwartete Erklärung gehabt hatte richtig eingeschätzt.

Als die wirkliche Schlüsselfigur zum Gelingen des ganzen Vorhabens muss jedoch eine Person gesehen werden, die nicht einmal Amerikaner war, die man, eher im Gegenteil, nicht unbedingt zu den besten Freunde Amerikas gezählt hätte und von der bis heute unklar ist, wie es dem US Regierungschef gelingen konnte, sie mit ins Boot zu holen.

Die Liste der Legenden, die sich um die Beziehung zwischen Barack Obama und Xi Jinping ranken, ist allein schon zu lang, um sie hier auch nur aufzuzählen. Sicher ist nur, dass ohne den chinesischen Vizepräsident Xi der Erfolg des Unterfangens mehr als unsicher gewesen wäre. Zu vorsichtig, zu angstvoll, zu verunsichert waren noch immer die Investoren, die Banken, die Unternehmer und vor allem die Konsumenten, als dass sich die Abwärtsspirale hätte bereits durchbrechen und in einen Aufwärtstrend verwandeln lassen.

Am 10. Dezember titelte die New York Times: „9,8 % Wachstum in China erwartet!“ Und weiter hieß es: „Chinas Vizepräsident gibt Investitionen aus Indien und Mittlerem Osten bekannt. Bereits mehrere Millionen neue Jobs für Wanderarbeiter. Staatliches Förderprogramm für mehr Mobilität sorgt für Sturm auf Autohändler“

Vier Stunden vergingen, nachdem die ersten Zeitungsexemplare ausgeliefert waren. Vier Stunden, in denen die Welt auf ein Dementi aus Peking wartete. Es kam nicht. Dann öffnete die New Yorker Börse. Und explodierte.

Kapitel 4 „Geschichte“

Der Rest ist Geschichte. Am 4. November 2013 wurde Barack Obama mit der höchsten Zustimmung, mit der je ein US Präsident ein Wahl gewonnen hatte für seine zweite Amtszeit bestätigt. Obwohl, oder weil niemand wusste, was er mit dem BlackBerry seiner Tochter getan hatte.

Diese Frage – obwohl oder weil – ist sicher ausreichend, um es kluge Köpfe und Gemüter bis zum Ende des Jahrhunderts Obamas Wirtschaftswunder gleich tun zu lassen: auf Hochtouren bis zum Siedepunkt zu laufen.

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Schuldenfinanziertes Konjunkturpaket

Geschrieben von hantigkohneo - 14. Januar 2009

Seit am Dienstag ausführlich über das von der deutschen Bundesregierung beschlossene „schuldenfinanzierte Konjunkturpaket“ (Zitat: sueddeutsche.de) berichtet wird, geht mir vor allem eine Frage durch den Kopf: Wo macht der Statt eigentlich diese Schulden?

Wenn doch die augenblickliche Wirtschaftskrise vor allem darin ihren Ursprung hat, dass niemand niemandem mehr Geld leiht, woher bekommt es dann der Staat? Nun gut, so ein Staat wie Deutschland hat sicherlich eine andere Bonität als ein niedersächsischer Schraubenhersteller, aber dennoch erstaunt es mich ein wenig, dass es auch jetzt noch allgemein den Anschein hat, als könne ein Staat wie Deutschland unbegrenzt Geld herbeischaffen, obwohl von Moskau bis Dubai die Kassen klamm werden.

Die gleiche Frage hat sich Herr Holger Wegner gestellt und er hat sie netterweise nicht nur sich, sondern auf www.abgeordnetenwatch.de auch gleich einem der Volksvertreter, nämlich Hamburger Abgeordneten Johannes Kahrs (SPD) gestellt. Und dieser hat lobenswerter Weise auch bereits geantwortet: http://abgeordnetenwatch.de/johannes_kahrs-650-5510–f160586.html#frage160586

Laut dieser Auskunft werden Staatsschulden zu etwa je 50% im Ausland und im Inland gemacht. Und hier dann doch zu 2/3 bei Banken!

Darüber darf man ruhig einen Moment nachdenken. Weil Banken sich gegenseitig und vor allem den Unternehmen und dem Mittelstand kein Geld mehr leihen, leiht es sich an deren statt der Staat von eben diesen Banken und gibt es an die Kredit-hungrig Wirtschaft weiter?

Nun gut, lassen wir dies mal so stehen. Aber einem anderen Aspekt dieser „schuldenfinanzierten Konjunkturprogramme“ möchte ich noch etwas Aufmerksamkeit widmen: die Bundesrepublik wird 2009 in Folge dieser Sonderausgaben eine Nettoneuverschuldung von rund 50 Milliarden auf sich nehmen müssen. President-Elect Barak Obama rechnet für die USA bereits mit einem Defizit von 1,2 Billionen! Und die meisten der G8 und auch der G20 Staaten liegen mit ihren „schuldenfinanzierten Konjunkturprogrammen“ irgendwo dazwischen.

Soll heißen, hier werden in den kommenden Monaten noch nie da gewesene Summen von Staaten an neuen Krediten aufgenommen. Und da es auch für diese stattlichen, staatlichen Schuldner keine göttliche Kredittankstelle gibt, sondern sie sich auf demselben Kapitalmarkt eindecken, wie alle anderen – Banken, Unternehmen, Investorenkonsortien etc. – auch, muss das doch zwangsläufig zu einer weiteren Verknappung auf eben diesem Kapitalmarkt führen.

Somit wird es für diejenigen, die dringend frische Liquidität benötigen, noch schwieriger, diese zu bekommen, bzw. im besten Fall „nur“ noch teurer. Somit verschärfen die zusätzlichen Staatskreditaufnahmen die Krise noch weiter, zu deren Bekämpfung sie an sich dienen sollten.

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“Jahr der Bewährung”

Geschrieben von hantigkohneo - 8. Januar 2009

Die Krise als Medien-Hype
Warum die öffentlichen Meinungsmacher 2009 eine besondere Verantwortung haben

Spiegel Cover 01/09

Spiegel Cover 01/09

Wirtschaft, so sagt man allgemein, besteht zu rund 50% aus Psychologie. Trotz der Schlichtheit dieser Annahme und des gewissen Fatalismus, der sich in ihr findet, dürfte sie sich im Großen und Ganzen allgemeiner Anerkanntheit erfreuen. Zurzeit jedoch, kann man davon ausgehen, dass der psychologische Anteil an der Entwicklung der Weltwirtschaft noch weit höher liegt.

Im Gegensatz zur so genannten Finanzkrise, bei der zumindest das Platzen der amerikanischen Immobilienblase als Ursache festgemacht werden kann, gibt es für die sich nahezu vorwarnungslos abzeichnende Weltrezession quasi keinerlei realwirtschaftliche Gründe. Noch Mitte des Jahres zeigten- in Deutschland beispielsweise – alle üblichen Indikatoren steil nach oben. Der politische Streit drehte sich in erster Linie um die Verteilung der schier nicht enden wollenden Steuermehreinnahmen ob der guten Konjunkturentwicklungen und auch weltweit überschlug sich die Begeisterung und Bewunderung zum Beispiel für viele Schwellenländer, die drauf und dran waren, zur „ersten Welt“ aufzuschließen, bzw. angesichts sprudelnder Ölquellen und exorbitanter Rohstoffpreise, diese sogar zu Überrunden, zumindest in Sachen Devisenreserven oder in Hinblick auf prall gefüllte Geldspeicher nimmermüder Staatsfonds auf Einkaufstour.

Innerhalb weniger Wochen, muss man fast sagen, ist dann alles ganz anders gekommen. In erster Linie aufgrund einer Kettenreaktion von psychologischen Gründen. „Vertrauenskrise“ ist denn ja auch einer der viel zitierten Begriffe dieser Tage.

Wenn nun also Psychologie, sprich Stimmung, Meinung, Vermutung, Glauben, Nichtglauben, Vertrauen etc so einen mächtigen Anteil am wirtschaftlichen Schicksal der Welt hat, so kommt wohl auch denen besondere Bedeutung zu, die als „Verstärker“ dieser Faktoren auftreten können und dies, bewusst oder unbewusst, zwangsläufig immer auch tun.

Gemeint sind die Medien, insbesondere die Massenmedien mit großer Reichweite. Im Zeitalter der Medien- und Informationsgesellschaften ist schließlich öffentliche Meinung auch immer Veröffentlichte Meinung mit großem gegenseitigem Einfluss in beiden Richtungen.

Nicht erst jetzt und im Fall der allgemein angekündigten wirtschaftlichen Zeitenwende, hier und jetzt aber ganz besonders, frage ich mich, ob sich die Macher von Fernsehen, Funk und der auflagenstarken Presseorgane eigentlich ihrer Macht und damit auch ihrer Verantwortung bewusst sind.

Und es steht schon lange die Frage unbeantwortet im Raum, warum in der journalistischen Welt der Hang zum Negativen so überwiegend weit verbreitet ist.

Nur als Beispiel: die Jahre 2006 und 2007 – so ist ja zur Zeit überall zu lesen – waren ausgesprochene Boomjahre. Der Eindruck mag subjektiv sein, aber medial haben sich diese Jahre nicht nach Boom angefühlt, oder? Von Enthusiasmus war wenig zu lesen, zu hören oder zu sehen in den Kommentaren und Berichten seinerzeit.
Gut in Erinnerung hingegen sind noch die fetten roten Schlagzeilen der Bildzeitung von 2003 und 2004, als fast monatlich die neuesten, schön schaurigen Horrormeldungen über die jeweils aktuellen Rekordmeldungen zur Arbeitslosigkeit auf der Titelseite prangten. Ich bin kein Bildzeitungsleser, aber ich glaube nicht, dass ich die entsprechenden Titelschlagzeilen übersehen haben könnte, die dann 2006 und 2007 in gleicher Größe, Fettheit und Röte, den atemberaubenden Rückgang der Arbeitslosigkeit herausposaunt hätten. Wo war es, das „YESSS!!! Deutschland auf dem Weg zur Vollbeschäftigung! Arbeitslosigkeit in nur zwei Jahren fast halbiert! WEITER SO ANGIE!!“?

Es gab diese Titelseite nicht. Richtig? Warum nicht?

An dieser Stelle sei angemerkt, dass dieser Beitrag nicht als allgemeine Medienschelte gedacht ist. Es geht um etwas Wichtigeres.

Darum verlassen wir auch den Boulevard: Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ versteht sich als grundsätzlich kritisch und rühmt sich seiner Tradition des investigativen Journalismus’. Ähnlich positionieren sich Publikationen wie „Focus“ oder Tageszeitungen wie „Die Süddeutsche“ oder die „FAZ“.

Nun, kritische Stimmen sind für das Funktionieren einer pluralistischen Gesellschaft und einer Demokratie natürlich wesentliche und wichtige Bestandteile. Entsprechend legen Medien wie die oben genannten zu Recht Wert darauf, immer ein wenig gegen den Strom zu schreiben. Trends zu hinterfragen und nicht jedem Hype auf den Leim zu gehen.

Die aktuelle Wirtschaftskrise ist ein Hype. Vielleicht der größte, den unsere Generation bis jetzt erlebt hat, auf jeden Fall einer, mit gravierenden und leider zumeist negativen Auswirkungen auf nahezu alle Teil der Gesellschaft. Und dies weltweit.

Merkwürdig jedoch. In diesem Fall von Kritik am Hype, von investigativem Hinterfragen keine Spur! Im Gegenteil, wie die Lemminge schließen sich nun auch die Redakteure, Autoren, Rechercheure und Verleger dem Marsch in die Krise an – und beschleunigen diese dadurch, wenn sie sie nicht überhaupt erst Realität werden lassen.

Wie gesagt, das Thema soll nicht Medienkritik an sich sein! Interessant wäre jedoch die Frage nach dem „warum?“.

Ein relativ aktuelles Beispiel:

Grafik Spiegel 01/09

Grafik Spiegel 01/09

In seiner Jahreswechselausgabe – Nr.1 vom 29.12.08 – lautet die Titelstory „Jahr der Bewährung“. In diesem Artikel werden wie üblich Umfragen grafisch eingeblendet und zitiert, oder besser, interpretiert. Auf die Frage „haben sie Angst, im Jahr 2009 Ihren Arbeitsplatz zu verlieren“, hätten zum Beispiel 18% der Befragten mit „Ja“ geantwortet. So soll die große Verunsicherung in der Bevölkerung belegt und begründet werden.

Wäre es falsch oder ehrenrührig gewesen, genau dieselbe Umfrage wie folgt auszulegen? „Knapp Dreiviertel der Arbeitnehmer in Deutschland glauben nicht, dass ihr Arbeitsplatz in Gefahr sei, trotz der beunruhigenden Meldungen aus der Finanzwelt.“

Eine zweite Umfrage im selben Beitrag lautete „Wird sich Ihre persönliche Situation im Jahr 2009 verbessern, verschlechtern, oder wird sie gleich bleiben?“ Den 11% die an eine Verbesserung glauben, stände, so der Spiegel, mit 18% eine schwerwiegende Mehrheit gegenüber, die eine Verschlechterung befürchten.

Hätte es journalistischem Ethos widersprochen, zu schreiben, dass eine überwältigende Mehrheit von insgesamt 81%, oder vier Fünftel der Befragten, keine negativen Auswirkungen erwartet, da nämlich 70% davon ausgehen, dass ihre wirtschaftliche Situation unverändert bleibt. Wäre es nicht eigentlich „krisen-hype-kritisch“ gewesen, zu konstatieren, dass die Bevölkerung – trotz der sich täglich überbietenden Katastrophenmeldungen aus Finanz- und Wirtschaftskreisen – in ihrer großen Mehrheit zuversichtlich in die Zukunft blickt?

Wäre eine solche Meldung – entsprechend aufgemacht – nicht sogar eventuell dazu angetan, verzagten Unternehmen wieder Mut zu geben, ihnen Argumente zu liefern, um benötigte und zur Zeit zäh fließende Kreditrahmen für Wachstumsfördernde Investitionen zu geben?

Ein anderes Beispiel, auch dieses aus dem bereits zitierten Artikel des Neujahrs-Spiegels, zeigt noch nachhaltiger, wie – bewusst oder unbewusst – im Sinne des Krisen-Hypes manipuliert wird. Natürlich durch Auswahl und Selektion. Wobei das im folgenden Beschriebene weniger eine „Erfindung“ der Medien ist, als vielmehr schon eine Gewohnheit, die nur eben bislang noch niemand medial wirksam hinterfragt hat.

Es geht um die Zahlen und Kurven, die – in früheren Zeiten – so wunderbar kraftstrotzend nach oben ragen konnten und die nun – mit derselben Überzeugungskraft – den Schauer vor dem Abgrund zelebrieren.

Grafik aus Spiegel 01/09

Grafik aus Spiegel 01/09

In besagtem Spiegelartikel erledigt dies, unter der Überschrift „Schwere Bürde für 2009“ beispielsweise eine Grafik zur „Industrieproduktion“. Eine bösartig zackige Kurve zeigt schnurstracks tief nach unten und wird durch ein leuchtendes Signalrot an ihrem unteren, vorgeblich tief im Negativbereich steckenden Ende in ihrer Panikerregenden Wirkung noch gekonnt verstärkt. Die Kurve gib, wie meist üblich, die „Veränderungen gegenüber dem Vorjahr, im Prozent“ an.

Nur, warum eigentlich? Warum eigentlich die Veränderung zum Vorjahr? Ist der Vergleich mit so einem einzelnen, dünnen Wert, wie der Zahl aus nur dem Jahr davor, nicht sehr wenig, um daraus fundierte Schlüsse zu ziehen. Wissen wir noch, ob es nicht vielleicht gerade in dem Vergleichsmonat im Vorjahr irgendeinen Sondereffekt gab? Besonders warmes Wetter vielleicht, was die Nachfrage nach Kühlschränken und Klimaanlagen kurzeitig außergewöhnlich hat ansteigen lassen. Dann müsste im Vergleich dazu ein eigentlich sehr ordentliches Ergebnis, aber ohne Sondereffekt in diesem Jahr zwangsläufig wie ein dramatischer Einbruch aussehen.

Diese Vergleiche mit dem jeweiligen Vorjahreszeitraum sind natürlich eine klassische Erfindung des neoliberalen, turbokapitalistischen Geistes. Nur so lassen sich möglichst steile Kurven erzeugen, die möglichst große Gewinne ermöglichen oder darstellen. Alle Relativierungen auf einer breiteren Basis, zum Beispiel einem Mehrjahresvergleich, bremsen da nur.

Natürlich, solche Zahlen und Kurven gibt es auch. Bei den Analysten, in den Bilanzen, bei den entsprechenden Ämtern und wissenschaftlichen Instituten. Aber wir sprechen hier von Massenpsychologie. Von öffentlicher und veröffentlichter Meinung. Und in dieser werden nach wie vor, die Parameter benutzt, die genau jene Epoche erfunden hat, die doch angeblich gerade untergegangen ist und der wir – unter Meinungsführung der großen Presseorgane – doch jetzt so kritisch, weil ernüchtert, gegenüberstehen. Eigenartig doch, dass wir trotzdem noch immer mit deren Instrumentarium arbeiten.

Um dies an dem genannten Beispiel zu veranschaulichen:

Laut Spiegel brach die „Industrieproduktion“ im Oktober 2008 um rund 4% im Vergleich zum Oktober 2007 ein. Laut Statistischem Bundesamt war es exakt ein Minus von 3,85%. (Quelle: Statistisches Bundesamt Deutschland, www.destatis.de)
Im Vergleich zum Oktober 2006 jedoch – und dies zeigt die Spiegel Grafik natürlich nicht – lag die Industrieproduktion in Deutschland bei einem Plus von 5,52%! Das sollte doch überraschen, wenn man bedenkt, dass 2006 allgemein als Boomjahr gilt, während wir glauben, im Oktober 2008 den schlimmsten Einbruch seit Kriegsende miterlebt zu haben.

Wie zufällig diese Ein-Jahr-zurück Vergleiche in Wahrheit sind, zeigt schon das Beispiel September.

Laut Statistischem Bundesamt ergab sich hier nämlich von 2007 auf 2008 noch ein Plus von 4,79%. Übrigens im Widerspruch zu der vom Spiegel publizierten Kurve, die jedoch auch eine andere Quelle nennt. Von 2006 auf 2008 errechnet sich aus den Zahlen des Bundesamtes gar eine Steigerung der Industrieproduktion von 7,69%. Demnach befanden wir uns im September – dem Monat der Lehman-Pleite – in einem Megaboom. Wunderbare Welt der Zahlen, atemberaubende Sprünge.

Weitaus solider wird das Ganze, wenn man als Vergleichswerte zum Beispiel den Durchschnittswert, sagen wir der entsprechenden Monate der vergangenen fünf Jahre nimmt. So würden zum Beispiel extreme Schwankungen, wie beschrieben evtl durch Sonderereignisse hervorgerufen, weniger dramatisch ausfallen und so weniger falsche Schlüsse ziehen lassen. Eine Methode, die ja in vielen alltäglichen Wirtschaftsbereichen allgemein üblich ist. Sogar die berühmten Maastrichtkriterien wurden dereinst so eruiert.

Wenn wir als erneut auf die Industrieproduktion in Deutschland im „Krisenmonat“ Oktober 2008 blicken und diesen zu dem Mittel der Oktoberwerte von 2003 bis 2007 in Relation setzen, so ergibt sich ein Plus von 11,96%. Tun wir das gleiche für den September so ergibt sich eine Steigerung von 12,96%, für den August 10,89%, weitaus gleichmäßigere Werte also, die zudem alle besagen, dass wir heute deutlich – nämlich zweistellig – produktiver sind, als im Durchschnitt der vergangen fünf Jahre, die ja keine schlechten waren.

Keine Krise also? Oder alles Schönrederei?

Durchaus nicht. Denn wir wollen die zweite Grafik mit der der Spiegel aufwartete nicht unterschlagen. Hier wurden die Auftragseingänge bei der Industrie – als die Arbeitslage von morgen – dargestellt. Und auch sie zeigt – natürlich – steil und in dramatischem Rot nach unten.

Und auch hier gibt das Statistische Bundesamt Auskunft und Bestätigung. Jawohl, im Oktober 2008 ist der Auftragseingang aus dem Inland zum Beispiel im verarbeitenden Gewerbe um signifikante 11,19% zurückgegangen. Im Vergleich zum Oktober 2007. Und auch im Vergleich zum Oktober 2006 hat sich die Auftragslage verschlechtert, nämlich um 3,28%. Deutlich weniger als im Vergleich zum Oktober vergangenen Jahres – welcher ein ausgesprochen guter Monat war – aber trotzdem, hier ist ein spürbarer Rückgang ersichtlich.
Und was sagt der Langzeitvergleich. Nun, im Verhältnis zum Durchschnittswert der Auftragseingänge im Oktober von 2003 bis 2007 ergibt sich ein Plus von 4,5%. Allerdings, beim Septembervergleich waren es noch plus 7,84% und im August sogar noch 9,24%. Also auch hier ein Rückgang. Ein Rückgang der Zuwächse jedoch.

Niemand verlangt Schönfärberei. Aber es macht doch einen Unterschied, ob im Raum steht, dass die Auftragslage im Oktober um über 11% im Vergleich zum Vorjahresmonat eingebrochen ist, oder ob wir „nur noch“ rund viereinhalb Prozent mehr Aufträge haben als durchschnittlich in den vergangenen fünf Jahren.
Zum Beispiel, wenn es um Arbeitsplätze geht. Mit einem Minusknüppel von über elf Prozent lässt sich fast jeder Personalabbau durchsetzen. Wenn wir in Wahrheit immer noch mehr Arbeit haben, als im Schnitt in den letzten fünf Jahren, in denen die Arbeitslosigkeit ja gesunken ist und ergo Leute eingestellt wurden. Da wird die Argumentation – zumal in der Öffentlichkeit – doch schon schwieriger, wenn man nicht sagen will, dass es eigentlich gar nicht um die Menge der anfallenden Arbeit sondern in erster Linie um die Rendite der Shareholder geht.

Womit wir wieder bei der Frage wären, wem es nützt, dass auch jetzt noch und auch von den angeblich so kritischen Medien, das gleiche Zahlen- und Rasterwerk verwendet wird, mit dem sich die gescheiterten Akteure der Finanzscheinwelt ihre Luftschlösser herbeigezaubert haben.

Gerade da die aktuelle Krise so sehr eine psychologische Krise ist, wäre jetzt eine kritische, gegen den Abwärtsstrom schwimmende, ergo eine gemäßigte und tendenziell positive Berichterstattung gefragt, die nicht nur im Rückblick all die Schneebälle und abenteuerlichen Finanzakrobatiken bloßstellt, sondern die auch die aktuellen Horrorszenarien genauso deutlich hinterfragt. Vielleicht könnte der Abschwung so zumindest gebremst, wenn nicht vielleicht sogar verhindert werden.

Zu Recht werden unsere Medien nicht müde, die Pressefreiheit als eines der wichtigsten Güter unserer Gesellschaft hoch zu halten, sich auf sie zu berufen und sie zu verteidigen. Doch Freiheit ist auch immer mit Verantwortung verknüpft. Die aktuellen Umstände wären ein Fall, in dem die Presse dieser Verantwortung gerecht werden sollte, in dem sie die Wirkungen und die Auswirkungen ihrer Meinungsprägenden Aktivitäten nachhaltig hinterfragt und ihre Möglichkeiten bewusst zum Wohl der Gesellschaft einsetzt, von der sie letztlich ja auch lebt.
So wird vielleicht das Jahr 2009 auch für die freien Medien ein „Jahr der Bewährung“.

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Von Schiffen und A****löchern ODER die Welt ist ein Pendel

Geschrieben von hantigkohneo - 4. Januar 2009

Die Welt ist ein Pendel. Oder eine Waage. Jedenfalls ein System, das nie still stehen, das niemals ganz austariert sein wird. Diejenigen, die perfekte Systeme versprechen und propagieren sind Träumer, Blender oder totalitäre Diktatoren. Denn obwohl der Wunsch nach einem vollkommenen und gerecht ausbalancierten System in allen Gesellschaften groß ist, wird ein solches nie erreicht werden. Und das liegt nicht an den Systemen und auch nicht an höherer Gewalt.

Es liegt an den A****löchern. An den großen A****löchern, genauer gesagt. Kleine A****löcher gibt es viele, in Wahrheit sind wir alle welche. Das Problem sind die großen. Und die hat es immer gegeben und wird es immer geben.

Zum aktuellen Thema: Die Finanz- und die aus ihr folgende Wirtschaftskrise beschreibt den Wendepunkt einer dieser Pendelbewegung. Nach Jahren, Jahrzehnten der Deregulierung, weg vom Protektionismus, hin zur immer freieren Marktwirtschaft, ist die Waagschale nun schließlich gekippt und es folgt die Gegenbewegung. Das war vorhersehbar und ist an sich kein Mirakel. Was folgen wird, ist eine Phase der zunehmenden Regulierung. Zunächst werden jetzt die fälligen Vorschriften für die aus dem Ruder gelaufenen Finanzjongleure aufgestellt, für die Börsen- und Bankengepflogenheiten, aber bei denen wird es nicht bleiben. Kann es nicht bleiben. Zu groß sind die Ungerechtigkeiten schon in die Gesellschaften eingedrungen. Zu mächtig und durchaus berechtigt ist die neue Sehnsucht nach Sicherheit und Berechenbarkeit.

Welches aber sind die Lehren, die man ziehen sollte, wenn man die historische Chance hat, solch einen Wendepunkt des Weltenpendels live und in Echtzeit mitzuerleben? Lernen wir, dass die Deregulierung falsch war? Dass sich alle, über mehrere Dekaden, geirrt haben, wie der ehemalige US Notenbankchef jetzt plötzlich erkannt haben will?

Eine völlig falsche Einsicht wäre das! Die Abschaffung von Handelhemmnissen, Zöllen und das Zurücknehmen des Staates aus der Wirtschaft waren richtig! Zu ihrer Zeit! Die Strategie der Liberalisierung hat großen Wohlstand gebracht, zuletzt sogar denen, von denen man es kaum noch erwartet hätte, in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern, im ehemaligen Ostblock.

Das liberale System ist und war nicht das Problem! So wenig, wie der Kommunismus oder der Sozialismus für sich genommen falsch oder ein Problem waren. Das Problem sind immer die großen A****löcher!

Das sind diejenigen, die es verstehen, die Schwächen und Lücken, die jedes System nun mal aufweist, zu ihren Gunsten auszunutzen und sich auf Kosten der Mehrheit zu bereichern, oder sich ein Übermaß an Macht zu sichern. Kommunismus und Sozialismus sind oder waren daher in sofern „schlechte“ Systeme, da sie es offensichtlich den großen A****löchern zu leicht machten. Daher sind in diesen Systemen die Waagschalen schneller gekippt und die Pendel schneller und heftiger wieder in die Gegenrichtung geflogen.

Bei der freien, oder der sozialen Marktwirtschaft gar, hat dies nun etwas länger gedauert. Letztlich haben es jetzt aber auch hier die großen A****löcher geschafft, sich mit solcher Macht und solchem Gewicht ganz außen an die Weltschaukel zu hängen, dass diese kippen musste.

„Weg mit den A****löchern“ heißt also die Heilbringende Lehre? Nein. Es geht nicht. Die französischen Revolutionäre haben es versucht, die Bolschewisten auch. Es funktioniert nicht. Und das liegt daran, dass die Menschheit an sich fast nur aus A****löchern besteht. Kleinen zumeist. Aber, sind wir doch ehrlich, jeder von uns ist ein wenig eines.
„Dem Fiskus muss man ja nichts schenken!“ Füllen wir nicht alle mit diesem Gedanken unsere Steuererklärungen so zu unseren Gunsten aus? So als wäre „der Fiskus“ ein feindlicher Alien und nicht unsere Gemeinschaftskasse, aus der wir doch andererseits Strassen gebaut und Schulen betreut haben wollen? Versuchen wir nicht „vom Staat“ den letzten Groschen Bauförderung für unser Häusle herauszupressen und schimpfen gleichzeitig über jeden Cent Sozialabgaben? Voll Arschloch, eigentlich? Aber harmlos! Alles nur kleine A****löcher.
Das Gefährliche ist, dass jedes System, das sich die Menschen für ihr Zusammenleben ausdenken, Möglichkeiten bietet, die genau den speziellen Talenten einiger kleiner A****löcher entsprechen und sie so zu großen A****löchern werden lässt.

Zurück zum Tagesgeschäft: nun wird also reguliert, geordnet, für wieder etwas mehr Gerechtigkeit gesorgt. Zunächst wird dabei den bisherigen großen A****löchern auf die Finger geklopft. Das ist gut so und es wird für eine Zeit wieder positive Resultate bringen, wenn nun alle quasi von der einen Reling des Weltenschiffs, die gerade dabei was unter Wasser zu tauchen, auf die andere Seite des Schiffes rennen. Das Schiff wird sich so wieder aufrichten, es wird wieder an Fahrt gewinnen.

Aber es liegt in der Natur der großen A****löcher, dass sie leider längere Beine haben. Und so werden sie die andere Seite des Schiffes schneller erreichen und werden dort wieder mehr an Gewicht gewinnen und da ihnen das von ihrem Wesen her nie genug ist, werden sie sich auch auf dieser anderen Seite des Schiffs wieder in die Trapeze werfen, um noch schärfer am Wind segeln zu können. Und die kleinen A****löcher werden ihnen folgen. Zunächst geordnet, vorsichtig und nur, weil sie immer bestimmten Beispielen und Vorbildern folgen, dann aber immer schneller und bald purzelnd, weil das Schiff dann schon wieder Schlagseite bekommt und sie auf den rutschigen Planken den großen A****löchern entgegen taumeln.

Das wird dann der Fall sein, wenn die damals – also heute – vernünftigen Regeln wieder ad Absudrum geführt wurden. Wenn sie umgedeutet worden sind, um erneut nicht der Menge, sondern einigen Wenigen zu nutzen. Wenn windige Findige im allgemein ausgebrochenen Regelwahn Vorschriften erdenken, die genau für sie passen, oder nur, um sich vor anderen zu schützen. Dann, und es wird zweifellos im größeren oder kleineren Ausmaß so kommen, dann wenn das Schiff wieder fast kentert, wird sich das Pendel erneut wenden und ein neuer Durchgang kann beginnen.

Dass dies keine kassandrinische Vision ist, können wir in einem anderen Bereich zeitgleich beobachten. Die „Nackt-Scanner“ auf unseren Flughäfen dürften – hoffentlich – ein Symptom sein, dass kurz vor dem Umkippen der Waagschalen steht, im Austarieren zwischen persönlicher Freiheit und Angst vor einem unsichtbaren Feind.

Was also ist dann die Lehre aus diesen bewegten Zeiten? Müssen wir resignieren und uns dem ewigen Regime der großen A****löcher beugen, da per se nichts gegen sie zu tun ist?

Keineswegs. Behalten wir sie nur gut im Auge. Eine Zeit lang ist ihr Treiben ja immer durchaus recht nützlich für alle. Wir – und das meint alle mündigen Bürger vulgo kleinen A****löcher – sollten nur versuchen, noch wachsamer zu sein und den Moment noch früher zu erkennen, an dem das Schiff umschlägt. Und dann, rechtzeitig und vernehmbar, „halt“ rufen. In der Finanzkrise haben wir diesen Punkt wohl verpasst und müssen darum mit ziemlich rauer See fertig werden.

Das kann besser werden. Wir müssen trainieren. Wir werden das Pendel nicht zur Ruhe bringen, aber wir können die Ausschläge weniger hart und das Tempo weniger rasant werden lassen. Ergo: kleine A****löcher aller Länder vereinigt Euch: beobachtet die großen!

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